Vereinigte Arabische Emirate
Modernes Märchen
Die Geschichte der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) liest sich wie ein Wall-Street-Marktbericht vor dem Hintergrund von Tausendundeiner Nacht - ein Märchen unserer Zeit.
Sindbad der Seefahrer würde sich die Augen reiben: Aus der unwirtlichen Wüste sind die Hochhäuser von Dubai und Abu Dhabi aufgeschossen, und unzählige Lichter funkeln heute mit den Sternen am tiefblauen Abendhimmel um die Wette.
Vormals lebte die Küstenbevölkerung von Fischfang, Perlentauchen und - vor allem in Dubai - vom Handel mit Persien und Indien. Die mit ihren schwarzen Zelten im Binnenland umherziehenden Beduinen fanden ihr Auskommen in etwas Ackerbau und in der Dromedarzucht - und auch in zweifelhafteren Geschäften wie Sklavenhandel und Überfällen auf Karawanen. Und dann wurde Erdöl gefunden und 1962 erstmals exportiert. Als die Briten schließlich 1971 den Golf verließen, wo sie sich seit Mitte des 18. Jh. eingenistet hatten, schlossen sich sieben Scheichtümer zu den VAE zusammen: Abu Dhabi (Hauptstadt und mit 85 % der Fläche größtes Emirat), Dubai, Sharjah, Ajman, Umm al-Kaiwain, Ras al-Khaimah und Fujairah. Die Föderation hat eine Fläche von rund 83600 km2 bei einer Einwohnerzahl von 5,4 Millionen.
Dromedare sind noch überall zu sehen, aber auf den sechsspurigen Fahrbahnen der großen Städte verkehren jetzt klimatisierte Straßenkreuzer, und in der Wüste werden Geländefahrten über Dünen und durch Wadis (Trockentäler) veranstaltet. Luxushotels und supermoderne Bürogebäude haben weitgehend die Lehmhäuser verdrängt. Und die hölzernen Daus (Segelschiffe, heute meist mit Motoren ausgerüstet) befördern Ladungen mit Computern und Automobilen.
Obwohl die VAE einer der stabilsten Staaten der arabischen Welt sind, blieben Probleme nicht aus. Der Sturz der Erdölpreise Mitte der 1980er- Jahre traf die kleineren Emirate hart, waren doch die reicheren zur Kürzung ihrer Subventionen gezwungen. Aber das sind nur Kräuselungen auf der Oberfläche des Ölteichs. Die Emirate leben weiterhin in Wohlstand, bemühen sich jedoch auch verstärkt um Touristen und Geschäftsleute - mit sattgrünen Golfanlagen in der Wüste, einer zunehmend verschwenderischen Infrastruktur und schwindelerregenden Einkaufsmöglichkeiten.
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