Oman

Land des Weihrauchs

Seit Jahrhunderten zieren die eingeritzten oder aufgemalten Namen der Schiffe durchreisender Seefahrer die Felswände, die bei Masqat steil ins Meer abfallen. Der Ortsname bedeutet übrigens »Platz des Fallens«.

Diesen schroffen schwarzen Felsen hat es Masqat auch zu verdanken, dass es die kleinste Hauptstadt der Welt blieb - so behaupten es die Omaner. Einst konnte das Land nämlich nur auf dem Seeweg erreicht werden, während heute eine Küstenstraße bis nach Mutrah führt, wo die meisten Schiffe im Hafen von Mina Qaboos anlegen.

Der Staat Oman im Südosten der arabischen Halbinsel bedeckt (nach offiziellen Angaben) eine Fläche von etwa 300000 km2. Im äußersten Norden liegt, vom Rest des Landes abgeschnitten, die Halbinsel Musandam, die in die Straße von Hormuz hineinragt und am Eingang zum Arabischen Golf eine strategische Position einnimmt.

Omans gut 1700 km lange Küste ist bei Salalah am Arabischen Meer (im Südwesten des Landes) und zwischen Shinas und Mutrah im Norden - wo sie Batinah genannt wird - besonders reizvoll. Lange, einladende Strände, Fiederpalmen, von denen die süßen Datteln auf den Märkten stammen, Zitrushaine und Luzernefelder lockern die wellige Ebene auf; am Horizont türmen sich die Hajar-Berge, deren höchster Gipfel mit über 3000 m der Jebel Akhdar oder Grüne Berg ist. Im Gegensatz zur Bevölkerung des Landesinneren, die ihre Abgeschiedenheit zurückhaltend und eigenständig macht, hatten die Küstenbewohner schon über viele Jahrhunderte hinweg Kontakt mit der Außenwelt. Ihre Vorfahren segelten nach Indien und Ostafrika und trieben Handel, man spürt denn auch noch heute asiatische Züge an den Einwohnern. Die Omaner sind vorwiegend Bauern, Viehhalter und Fischer.

Der Grüne Berg, der seinen Namen nach der Farbe des Gesteins trägt, ist ein kühles, felsiges Hochland, wo Orangen, Trauben und Nüsse angebaut werden; hier wachsen wilde Blumen im Überfluss - Rosen, Ringelblumen und rosa Stockrosen. In der Rosenstadt Saik sammelt und kocht man die Blütenblätter, destilliert sie anschließend und macht daraus Rosenwasser, das im ganzen Land feilgeboten wird. In den Oasen im Landesinneren gedeihen Feigen-, Aprikosen-, Pfirsich- und Granatapfelbäume. Die Wasserzufuhr gewährleistet das uralte falaj-System: in durch Tunnels miteinander verbundenen Steinschächten fließt das Lebenselixier an die Oberfläche. Dieses System ist auch über längere Dürreperioden hinweg verlässlich.

Der westliche und der zentrale Landesteil Omans sind sonnendurchglühte Gebiete, in denen Sand und Heuschrecken vorherrschen, Beduinen-Karawanen dahinziehen und Wanderdünen und Dornbüsche die Landschaft bestimmen. Das wichtigste Erdölförderungsgebiet liegt im Norden, doch ist die Produktion rückläufig.

Im Süden befindet sich die Provinz Dhofar, deren schöne Küstenebene durch Monsunregen erfrischt in leuchtendem Grün ersprießt. Weihrauch, das sagenhafte, von den Heiligen Drei Königen dargebotene duftende Harz, ist seit Jahrtausenden Dhofars berühmtester Exportartikel und wurde selbst in den Großen Tempel zu Babylon gesandt. In der Provinzhauptstadt Salalah leben viele Nachkommen afrikanischer Sklaven und Einwanderer.

Im Land werden mehrere Dialekte gesprochen, und es gibt verschiedene Kleidungsstile. Praktisch 100% der Bevölkerung gehören der islamischen Religion an. Die genaue Einwohnerzahl lässt sich schwer ermitteln; nach offiziellen Angaben beträgt sie etwa 3,1 Millionen. Staats- und Regierungsoberhaupt ist der Sultan, der den Anschluss an das 20. Jh. finden und gleichzeitig alte Traditionen aufrechterhalten möchte. Erziehungs- und Gesundheitswesen, Straßen- und Fernmeldeverbindungen und die Diversifizierung der Wirtschaft sind die Hauptanliegen seiner Politik. Seit 1987 können auch Touristen die Schönheit des Landes entdecken.

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