Libyen
Geschichtlicher Überblick
Frühzeit
Felsmalereien deuten darauf hin, dass um 9000 v. Chr. Vorfahren der heutigen Fulbe als Jäger und Sammler die fruchtbare Sahara durchziehen. Ab 3000 v. Chr. bildet sich mit der zunehmenden Austrocknung die Wüste.
9. - 1. Jh. v. Chr.
Phönizier aus dem östlichen Mittelmeerraum richten um 800 v. Chr. an der Westküste Libyens Handelskolonien ein. Sie kommen später unter den Ein?uss der Karthager (oder Punier, wie sie bei den Römern heißen). Um 631 v. Chr. lassen sich Griechen in Kyrene im Osten des Landes nieder. Rom besiegt Karthago und nimmt im 1. Jh. v. Chr. die nordafrikanische Küste ein.
1. - 6. Jh. n. Chr.
Unter den Römern floriert Nordafrika. Städte wie Leptis Magna erleben eine Glanzzeit. Die Vandalen erobern im 5. Jh. Westlibyen, doch im folgenden Jahrhundert bemächtigt sich das Byzantinische Reich der Küste.
7. - 15. Jh.
Arabische Heere fallen 642 in das Land ein, und der größte Teil der Bevölkerung tritt in der Folgezeit zum Islam über. Nachdem verschiedene ägyptische Dynastien über Nordafrika geherrscht haben, wird es Teil des Osmanischen Reiches.
16. - 19. Jh.
Nordafrikanische Seeräuber treiben auf dem Mittelmeer ihr Unwesen, den christlichen Seemächten gelingt es erst 1830, die Piraterie einzudämmen. Nach dem Sturz der Karamanli-Dynastie 1835 kommt Tripolis wieder unter türkische Herrschaft. In den 1840er-Jahren gewinnt die Senussi-Bewegung, die sich für eine striktere Form des Islams einsetzt, in Ostlibyen (Cyrenaica) an Ein?uss.
20. Jh.
In einem Krieg mit der Türkei 1911 - 12 nimmt Italien die Küstenstädte Libyens ein, das Innere aber erst 1931. Über 50000 italienische Bauern werden ins Land gebracht, wo sie den enteigneten Boden kultivieren. 1940 tritt Italien in den 2. Weltkrieg ein. Britische Streitkräfte stoßen aus Ägypten vor und besetzen einen großen Teil Libyens, werden aber von den Deutschen unter General Rommel zum Rückzug gezwungen. Nach ihrem Sieg über die Deutschen 1942 bei Al-Alamein befreien die Briten das gesamte Land und vertreiben die italienischen Kolonialisten. 1951 erlangt Libyen unter König Idris I. die Unabhängigkeit. 1959 wird Erdöl entdeckt.
1969 stürzen von Muammar al-Gaddha? angeführte Of?ziere die Monarchie und rufen die Republik aus, die einen islamisch-sozialistischen Kurs einschlägt. Durch die Unterstützung von Revolutions- und Terroristengruppen verscherzt sich Gaddha? die Sympathien westlicher Staaten. 1986 bombardieren die USA Ziele in Libyen. Zwei Libyer werden 1989 für den Absturz eines PanAm-Jumbos über dem schottischen Lockerbie verantwortlich gemacht. 1992 - 99 verhängt die UNO ein Handelsembargo über Libyen.
21. Jh.
2001 fällt das Urteil im Lockerbie-Prozess: Der eine Angeklagte wird freigesprochen, der andere zu lebenslanger Haft verurteilt. 2003 erklärt sich Libyen bereit, den Angehörigen der Opfer von Lockerbie eine Entschädigung zu zahlen. Besuche der Oberhäupter westlicher Staaten sind der Beweis dafür, dass Libyen nach jahrzehntelanger Isolation die Versöhnung mit dem Westen anstrebt und Ausländer willkommen heißt.
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