Libyen

Goldene Steine in der Wüste

Libyen ist riesig und einzigartig. Wer Geschichte mag, wird sich zwischen griechischen Tempeln, römischen Theatern und einmalig schönen Statuen und Mosaiken im Paradies wähnen. Wüstenliebhaber begeben sich ins Sandmeer der Wanderdünen. Mit gut 3 Einwohnern pro km2 gehört Libyen zu den am dünnsten besiedelten Ländern der Welt: Nur gut 6 Mio. Menschen teilen sich eine Fläche, die fünfmal so groß ist wie Deutschland. Sie kann in drei historische Regionen unterteilt werden: im Nordwesten Tripolitanien, die Cyrenaica im Nordosten und Fessan, die libysche Sahara mit dem Hauptort Sabha, im Süden.

Die wichtigsten klassischen Stätten liegen an der Mittelmeerküste oder in den Bergen dahinter, eine Gruppe - darunter Leptis Magna - in der Nähe von Tripolis und eine andere östlich von Benghazi, etwa 1000 km von der Hauptstadt entfernt. Die größten Oasen befinden sich weit im Innern, wobei Ghadames, 600 km von Tripolis, am leichtesten erreichbar ist. Von Ghat, noch viel weiter südlich, starten die Ausflüge zu den außerordentlichen prähistorischen Felsbildern.

Nicht alle Gebiete sind ausgetrocknet. In den höher gelegenen Regionen des Nordens gedeihen Weizen, Oliven und Zitrusfrüchte; in einem niederschlagsreichen Frühling sprießt zartes Grün, Wasser ?ießt in den sonst leeren Wadis, und wie aus dem Nichts tauchen Vogelscharen auf. Glaubt man den etwa 7000 Jahre alten Felsbildern, die Elefanten, Giraffen, Krokodile und große Viehherden zeigen, muss einmal die gesamte Sahara so fruchtbar gewesen sein. Unter der Erde sind immer noch riesige Wasserreserven vorhanden, die da und dort in Oasen an die Oberfläche steigen und die Plantagen berieseln. Grundwasservorkommen speisen den gigantischen künstlichen Fluss, dessen Pipelines Tausende von Tonnen Wasser vom Süden an die 1000 km entfernte Küste pumpen. Die Röhren liegen größtenteils unter dem Boden, doch einige - mit einem Durchmesser von 4,2 m - sind sichtbar.

Die Entdeckung von Erdöl bescherte dem einst unterentwickelten Land einen gewaltigen Wachstumsschub: Erziehungs-, Gesundheits- und Sozialwesen wurden ausgebaut, ein wahrer Bauboom setzte ein.

Fast alle Einwohner, die meisten von ihnen Araber, sind Muslime. In den Bergdörfern leben noch Nachkommen der Berber und im Süden einige früher nomadische Tuareg. Die verschiedenen Eroberer und die schwarzen Sklaven haben ebenfalls zum Völkergemisch beigetragen. Trotz der Land?ucht vergessen die Libyer ihre Herkunft nicht; viele verbringen einen Teil des Jahres in den Dörfern oder Oasen, die ihre Familien vor ein oder zwei Generationen verlassen haben. In Städten wie Dörfern ziehen oft von Musikkapellen begleitete Hochzeitsumzüge durch die Straßen, die Bräute tragen Trachten, und ihre Hand- und Fußgelenke sind mit Hennamustern verziert. Sonst gibt es - abgesehen von Auto und Fernseher - wenig Unterhaltungsmöglichkeiten, und Alkoholkonsum ist untersagt.

Libyens umstrittener Führer Muammar al-Gaddha? ist seit seiner Machtübernahme 1969 immer wieder in den Schlagzeilen. Theoretisch regiert in der libyschen »Herrschaft der Massen« (dschamahirija) das Volk, doch sind die Porträts al-Gaddhafis und sein Grünes Buch allgegenwärtig. Alles muss - mindestens als Zweitbenennung - in arabischer Schrift angeschrieben, so will es das Gesetz. Besucher, die diese Sprache nicht lesen und sprechen, finden sich deshalb unversehens in einer gänzlich fremden Welt wieder. Doch wenn Sie sich mit den Einheimischen ein bisschen verständigen können, werden Sie freundliche und hilfsbereite Menschen kennenlernen.

Nach Jahrzehnten der Isolation durch Sanktionen der UNO öffnet sich Libyen heute dem Tourismus. Überall sind Bauarbeiten zur Verbesserung der Infrastruktur im Gang, viele neue Hotels sind am Entstehen.

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