Libyen
Sehenswürdigkeiten
Die drei an der libyschen Westküste gelegenen phönizischen Kolonien - Leptis Magna (heute Labdah), Oea (heute Tripolis) und Sabratha - bildeten in der Antike den Dreistadt- oder Tripolis-Bund und gehörten zum Machtgebiet Karthagos. Nach dessen Zerstörung genossen sie größere Unabhängigkeit, bevor sie 46 v. Chr. dem Römischen Reich eingegliedert wurden. Es folgten die Eroberung durch die Araber und die Regierung verschiedenster Herren aus nah und fern, bis die Region 1551 Teil des Osmanischen Reiches wurde. Von 1911 an hatten die Italiener hier das Sagen. Sie und ihre deutschen Verbündeten wurden 1942 durch die britische 8. Armee vertrieben.
Tripolis (Tarabulus)
Libyens Hauptstadt ist weitläu?g und modern und zählt etwa 1,2 Millionen Einwohner. Am Hafen - dem größten des Landes - be?ndet sich die Altstadt oder Medina, an einer seit den Zeiten der Phönizier ständig besiedelten Stelle. Als Hauptstadt des römischen Tripolitanien übernahm sie nach dem Niedergang von Leptis Magna und Sabratha den Namen Tripolis.
643 wurde Tripolis nach einmonatiger Belagerung von den Arabern erobert und die islamische Herrschaft nur im 12. Jh. kurz durch die Normannen aus Sizilien unterbrochen. 1510 erstürmten die Spanier Tripolis, das sie 20 Jahre später dem Malteserorden übereigneten. Die Ritter verstärkten die Befestigungen und bauten das Kastell aus, das die Altstadt dominiert, mussten aber 1551 den Türken weichen. Die Osmanen überließen nach der Unterwerfung ganz Nordafrikas die Gewalt meist Statthaltern wie der Karamanli-Dynastie, die 1711 die Macht in Tripolis an sich riss und sie bis zur Wiederherstellung der direkten türkischen Regierung 1835 behielt. Damals fing Tripolis an, über die Mauern seiner Altstadt hinauszuwachsen. Unter den Italienern nahm die Entwicklung zu, und die moderne Metropole dehnt sich weit nach Osten, Süden und Westen aus.
Alt und Neu begegnen sich am Ostrand der Medina, neben den Mauern des Kastells, am großen Grünen Platz, auf dem die of?ziellen Paraden statt?nden. Vom Platz zieht sich in südöstlicher Richtung die baumbestandene ehemalige Strandpromenade dahin, die nun durch Landaufschüttungen voller Betonburgen und Überführungen 500 m vom Meer getrennt ist. In dieser Straße oder in ihrer Nähe be?nden sich das Hotel Al-Kabir, der Gazellen-Brunnen und gegenüber dem Anlegeplatz der Fähren und Kreuzfahrtschiffe das Hotel Mehari. Die von den Italienern erbaute Kathedrale landeinwärts vom Brunnen ist jetzt eine Moschee, und der ehemalige Königspalast heißt »Palast des Volkes«.
Gleichfalls vom Grünen Platz weg führt die Sharia Omar al-Mukhtar, eine Avenue, die von eleganten italienischen Arkadenbauten gesäumt wird. In deren Schatten schlürfen Männer Kaffee und spielen Tricktrack. In einer ebenfalls von den Italienern erbauten Kirche ist heute eine staatliche Buchhandlung untergebracht.
Die Medina westlich des Hafens besteht aus einem Gewirr von Gässchen und überdachten Märkten. In diesem Labyrinth ist die Hilfe eines Führers fast unerlässlich.
Das Kastell (As-Sarai al-Hamra) am östlichen Altstadtrand wurde auf den Grundmauern früherer Bauten errichtet: Ausgrabungen haben karthagische Gräber und römische Bäder zutage gefördert. Die hauptsächlich aus dem 16. Jh. stammenden Mauern umgeben Gebäude aus dem 17./18. Jh. Gegenüber dem Kastell steht hinter dem Suk al-Mushir die größte Moschee der Stadt, Ahmed Pascha Karamanli (1738). Ein kleines Juwel mit ihren verschiedenen klassischen Säulen, die das Dach des Gebetssaals tragen, ist die benachbarte An-Naqua-Moschee (8. - 10. Jh.).
Bab Draghut, das Tor in der nördlichen Medina-Mauer, führt zu Tripolis? berühmtestem Relikt aus der römischen Zeit, dem Bogen des Mark Aurel (165 n. Chr.). Gleich daneben erhebt sich die 1834 vollendete Gurgi-Moschee mit ihrem hohen Minarett, dem Dach aus 16 Kuppeln und einem Innenhof aus Marmor. Mustafa Gurgi war der Schwiegersohn des letzten Karamanli-Paschas, ein wahrscheinlich zum Islam bekehrter Georgier, der den Bau finanzierte. Wenn Sie durch die Sharia Jama al-Draghut zum Grünen Platz zurückkehren, halten Sie Ausschau nach der Kreuzung zweier enger Gassen, wo römische Säulen in die vier Ecken eingebaut worden sind.
Das Nationalmuseum (Mitaf al-Jamahiriya) ist im Kastell untergebracht, mit dem Eingang am Grünen Platz. Im Erdgeschoss wird die prähistorische Epoche dokumentiert (mit besonderer Berücksichtigung der Felskunst in der südlichen Sahara) sowie die Zeit der Phönizier und Karthager. Herrlich sind die römischen Mosaiken, die Szenen aus dem Alltagsleben detailgetreu wiedergeben. Die Künstler des 1. und 2. Jh. n. Chr. verwendeten solch winzige Steinchen, dass die Muster wie gemalt wirken. Auch riesige Statuen und Büsten aus allen historischen Stätten des Landes - die schönsten kommen aus Leptis Magna - zieren das Museum. In den beiden oberen Stockwerken wird die islamische Periode von den Anfängen bis zur Gegenwart abgehandelt. Weil die Kommentare auf Arabisch verfasst sind, besucht man das Museum am besten mit einem Führer.
Westlich von Tripolis
An Sommerwochenenden strömen die Stadtbewohner an die Strände von Janzur, 15 km westlich von Tripolis. Doch Janzur (oder Zanzur) bietet mehr als Sand und Badevergnügen: hier be?ndet sich ein sehenswerter Friedhof aus dem 1. oder 2. Jh. v. Chr. Die ältesten der in den Fels gehauenen Gräber stammen aus der karthagischen Zeit, die jüngeren aus der römischen. Einige sind mit jagenden Raubtieren und mythologischen Szenen bemalt. Der Zugang zu den Gräbern ist allerdings recht schwierig.
Das an der Küste 70 km westlich der Hauptstadt gelegene Sabratha erlebte seine Blütezeit unter den Römern vom 1. Jh. v. Chr. bis zum 4. Jh. n. Chr. Ein starkes Erdbeben im Jahr 365 hinterließ für immer seine Spuren. Nach der Eroberung durch die Araber versank der Ort in Bedeutungslosigkeit, bis vor dem 2. Weltkrieg die Italiener mit den archäologischen Ausgrabungen begannen. Die Lage am Meer, der honigfarbene Stein und die Qualität der Steinmetzarbeiten machen aus Sabratha eine der beeindruckendsten historischen Stätten Nordafrikas. Gleich am Eingang zieht das imposante Theater die Blicke auf sich - doch sparen Sie sich seine Besichtigung als Höhepunkt für den Schluss Ihres Rundganges auf! Gehen Sie stattdessen geradeaus zum Byzantinischen Tor in der Stadtmauer aus dem 6. Jh. Da den Byzantinern die Arbeitskräfte fehlten, befestigten sie nur den älteren Teil der Stadt, etwa ein Drittel des gesamten Gebiets. Noch außerhalb der Mauer sehen Sie links die Ruinen des Punischen Mausoleums (Mausoleum von Bes) aus dem 2. Jh. v. Chr., ein ungewöhnlicher Bau von 23 m Höhe. Im unteren Drittel sind auf einem dreiseitigen Fundament Säulen angedeutet, darüber stehen prächtige Löwenskulpturen und zuoberst folgt ein obeliskähnlicher Aufsatz. Hinter dem Byzantinischen Tor führt der Cardo (die Hauptstraße) zum Forum. Unterwegs sehen Sie auf der linken Seite den Forum-Tempel und die Apollonius-Basilika, eine Kirche aus dem 5. Jh., rechts den Tempel der Antoniner und schon auf der Höhe des Forums den Liber-Pater-Tempel. In der Curia auf der Nordseite des Platzes, dem Meer zu, versammelten sich die Stadtväter. Im Kapitols-Tempel auf der Westseite wurde der große Jupiterkopf gefunden, der sich nun im Museum be?ndet.
Hinter dem Forum kommen Sie zur Justinians-Basilika und den Meer-Thermen, die stark beschädigt sind. Erhalten ist eine sechseckige, mit Marmor eingefasste Latrine. Östlich der Stadtmauer liegen weitere Tempel und Kirchen, außerdem die mit Marmor und Mosaiken verkleideten Oceanus-Thermen. Diese sind kleiner als die Meer-Thermen, aber besser erhalten, besonders einige der Mosaiken.
Überqueren Sie nun die alte römische Straße, um das Theater aus dem 2. Jh. zu bewundern. Es handelt sich um das größte römische Bauwerk seiner Art auf dem afrikanischen Kontinent und eines der wenigen, das den Besuchern die einzigartige Atmosphäre solcher Stätten vermittelt. Seine großartige dreistöckige Bühnenrückwand mit ihren 108 Säulen wurde von italienischen Spezialisten in den 1930er-Jahren aufwendig restauriert. Die Bühnenfront schmückt ein Fries gut erhaltener Marmorreliefs mit Gruppen von Schauspielern und Theatermasken.
Das im Stil einer römischen Villa erbaute Römische Museum neben dem Eingang zum Ausgrabungsgelände zeigt Mosaiken der Justinians-Basilika aus dem 6. Jh., darunter eines mit der riesigen Darstellung einer Weinrebe. Auch Wandmalereien und Marmorskulpturen sind ausgestellt, namentlich der Kolossalkopf Jupiters aus dem Kapitols-Tempel.
Das kleine Punische Museum beherbergt Funde aus vorrömischer Zeit.
Östlich von Tripolis
Die Küstenstraße führt durch wohlhabend wirkende Vororte der Hauptstadt nach Tajura mit seinem beliebten Strand und weiter zur Ortschaft Garabulli, die im Sommer ebenfalls viele Badegäste anzieht. Die moderne Hafenstadt Al-Khoms, 110 km von Tripolis entfernt, liegt nahe der Ruinenstätte des antiken Leptis (oder Lepcis) Magna.
Die Ruinen von Leptis Magna gehören wohl zu den bemerkenswertesten der gesamten römischen Welt. Seit 1982 zählen sie - ebenso wie jene von Sabratha und Kyrene - zum Weltkulturerbe der UNESCO. Wie Sabratha ist auch Leptis Magna von Tripolis mit dem Bus oder einem Taxi erreichbar.
Leptis Magna, einst größte Stadt von Tripolitanien, wurde auf einem fruchtbaren Landstrich neben einem Naturhafen erbaut. Sie war ein wichtiges Handelszentrum und stellte die Verbindung zwischen dem Innern Afrikas und den Mittelmeerländern her. Die vermutlich von Phöniziern um 700 v. Chr. gegründete Stadt gehörte vom 4. Jh. an Karthago und ?el 202 v. Chr. am Ende des 2. Punischen Krieges an Masinissa, den König von Numidien. 111 v. Chr. verbündete sich Leptis Magna mit Rom und wurde 46 v. Chr. friedlich in die Provinz Africa eingegliedert. Der Export von Olivenöl und der Karawanenhandel mit Zentralafrika führten zu Wohlstand und raschem Wachstum. Die Einwohnerzahl stieg auf 75000. Außer Lateinisch wurde weiterhin auch Karthagisch gesprochen (was Funde von zweisprachigen Inschriften bestätigen).
Kaiser Trajan (98 - 117 n. Chr.) verlieh zwar den Einwohnern das römische Bürgerrecht, doch so richtig erblühte Leptis Magna erst unter Septimius Severus (193 - 211), der sie von den Grundsteuern befreite. Große Bauprojekte wurden nun in Angriff genommen, und viele der Monumentalgebäude stammen aus jener Zeit. Auch der Hafen wurde damals ausgetieft.
Der Niedergang begann mit der Versandung des Hafens und starken Erdbeben im 4. Jh. Ein Jahrhundert später ?elen die Vandalen über die Stadt her. Unter den Byzantinern erlebte Leptis Magna dann wieder einen Aufschwung, auch wenn deren Verteidigungsmauer nur das Hafengelände schützte.
Nach der Eroberung durch die Araber leerte sich der Ort nach und nach. Der von den Römern durch das Wadi Labdah gebaute Damm brach, und in den folgenden Jahrhunderten wurde die Stätte bei Überschwemmungen mit Flussgeschiebe bedeckt, das auch den Hafen blockierte.
Hinter dem Eingang an der alten Küstenstraße geht es über steile Stufen hinab zum vierseitigen Bogen des Septimius Severus. Er wurde zur Erinnerung an den Besuch des Kaisers und seiner Familie im Jahr 203 erbaut und kennzeichnet die Kreuzung der beiden Hauptstraßen, des Cardo und des Decumanus. Rechts be?ndet sich die Palästra (oder Sportarena).
Ihr gegenüber liegen die Hadrians-Thermen, die bedeutendsten des römischen Afrika. Wie jene in Rom weisen die Thermen eine perfekte Symmetrie auf, und man muss sie sich reich verziert mit Marmor, Mosaiken und (farbigen) Statuen vorstellen.
Der vom Bogen ausgehende Cardo führt in nordöstlicher Richtung zu den beiden älteren Bogen von Tiberius und Trajan. Links sind das Theater des Hannibal Rufus (1. Jh. n. Chr.) und das schöne runde Marktgebäude aus den letzten Jahren vor Christi Geburt zu sehen. Danach bringt Sie der Cardo zum einfachen Byzantinischen Tor in der wehrhaften Stadtmauer, mit der die Byzantiner den Hafenbezirk umgaben. Durch das Tor gelangen Sie zum Alten Forum, das von Tempelruinen, der Alten Basilika und der Curia umgeben ist. Dies ist der älteste Teil von Leptis Magna, im 1. Jh. v. Chr. auf den Ruinen der karthagischen Stadt erbaut.
Unter den grandiosen Plänen von Septimius Severus entstand parallel zum Cardo eine 410 m lange und 20 m breite Kolonnadenstraße, die von den Hadrians-Thermen zum Hafen führt. Links ist das Neue Forum mit Steinmetzarbeiten und einem majestätischen Säulengang, der leider beim Erdbeben von 365 zusammenstürzte.
An das Forum schließt die 70 m lange und 30 m hohe Severische Basilika an. Sie wurde später als christliches Gotteshaus benutzt (beachten Sie die zusammengestückelte Kanzel) und schließlich in die byzantinische Stadtmauer integriert.
Folgen Sie der Kolonnadenstraße bis zum Hafen, wo man noch die Rillen sieht, die von Schiffstauen in die Steine geschliffen wurden. Wer genügend Zeit hat, sollte über die Landzunge spazieren, an deren Spitze die Überreste eines riesigen antiken Leuchtturms langsam vom Wasser zurückerobert werden.
Das Museum in einem hübschen modernen Gebäude in der Nähe des Eingangs zeigt neben den schönsten Fundstücken aus Leptis Magna auch einige prähistorische Objekte. Aus der karthagischen Zeit stammen Gräber, die unter dem Theater entdeckt wurden und von einem merkwürdigen Bildnis der Göttin Tanit geschmückt sind: Sie wird als Dreieck mit einem runden Kopf und erhobenen Armen dargestellt.
Historische Fotogra?en vom Ende des 19. Jh. zeigen das mit Sand bedeckte Ruinengelände, andere wiederum dokumentieren die 1920 begonnenen Restaurierungsarbeiten der Italiener. Schöne Marmorstatuen aus den Hadrians-Thermen und dem Theater, Münzen, Vasen, Fresken, frühchristliche Mosaiken und Exponate von den Anfängen der arabischen Zeit bis zur Moderne vervollständigen die Ausstellung.
Etwa 2 km östlich der Hauptausgrabungsstätte be?nden sich das Amphitheater und der Circus aus dem 1. - 2. Jh. n. Chr. Beide Monumente sind von der Durchgangsstraße aus auf einem Holperweg zu erreichen, der eine Anhöhe über dem Meer erklettert. Unvermittelt stehen Sie am Rand des Amphitheaters und blicken wie in einen Krater auf das weite Rund hinab. Die Sitzreihen sind teilweise restauriert, die meisten aber noch original. Die Akustik ist so gut, dass man von der obersten Reihe aus mit jemandem mitten in der Arena ein Gespräch führen kann. Stellen Sie sich den Lärm vor, wenn 15000 Zuschauer die Gladiatoren anfeuerten! Die Teilnehmer der Spektaktel - Menschen und allerlei exotische Tiere von nah und fern - hatten durch tiefe Gänge direkten Zugang zur Arena. Zwischen dem Amphitheater und dem Meer wurde der Circus, eine 450 m lange Pferderennbahn, angelegt. Die Konturen sind noch gut sichtbar, die Sitze allerdings fast vollständig zerstört.
Östlich von Leptis Magna durchquert die Küstenstraße das Wadi Kaam. Herodot schrieb 450 v. Chr., dass die Griechen in dieser Gegend mit der Gründung einer Kolonie begonnen haben, bevor sie von den Karthagern verdrängt wurden. Erstaunlicherweise wird das so nahe gelegene Leptis Magna in diesem Dokument mit keinem Wort erwähnt.
35 km von Leptis Magna entfernt liegt Zliten. Hier befindet sich das Grab des Sidi Abdusalam, eines 1455 geborenen Gelehrten, dem eine große neue Moschee und eine Koranschule gewidmet sind.
Bei der Industriestadt Misurata mit einem Stahlwerk und einer Teppichfabrik verlässt die Hauptstraße die Küste und durchquert mit Sträuchern durchsetztes Land, wo Kamelherden grasen. Vereinzelte Eukalyptusbäume spenden ein wenig Schatten. Die von der Hauptstraße umfahrene Kleinstadt Tawargha ist für ihre Korb?echterei bekannt.
Sirt war ursprünglich ein Fischerort an der Großen Syrte. Da er ungefähr auf halbem Weg zwischen Tripolis und Benghazi liegt, wurden verschiedene Ministerien hierher verlegt. Zwar schossen zahlreiche Geschäfts- und Wohnhäuser aus dem Boden, doch sollen sich die Beamten und ihre Familien immer noch nach dem regeren Leben in den beiden Großstädten sehnen.
In Ras Lanuf stand früher ein von den Italienern erbauter Triumphbogen, der die Grenze zwischen Tripolitanien und der Cyrenaica markierte. Weil die libyschen Behörden ihn als unerwünschte Erinnerung an die Kolonialzeit und Symbol der Spaltung des Landes betrachteten, ließen sie ihn in den 1960er-Jahren zerstören.
Die Rohrleitungen des künstlichen Flusses bringen Grundwasser aus dem Süden zu einem Verteilzentrum unweit von Al-Braykah, einer Hafen- und Universitätsstadt. Der andere der beiden wichtigsten Naturschätze Libyens, Erdöl, wird nach Ajdabiya gepumpt, wo die Küstenstraße nordwärts dem 160 km entfernten Benghazi zustrebt.
Jabal Nafusah
Rund 100 km südlich von Tripolis zieht sich die 250 km lange niedrige Bergkette des Jabal Nafusah zur tunesischen Grenze hin. An ihren Steilhängen kleben Berber- und Araberdörfer, einige von ihnen bedrohlich nah am Abgrund. Auf den welligen Hoch?ächen dehnen sich Plantagen von Olivenbäumen aus, präzise ausgerichtet und kurz geschnitten, damit das Ernten leichter fällt. An Straßenständen können Sie nicht nur Olivenöl erstehen, sondern auch getrocknete Feigen, Datteln und Honig. Weizen ist ein anderes wichtiges Anbauprodukt; in einigen Dörfern sehen Sie noch jahrhundertealte befestigte Kornspeicher.
Gharian heißt der lebendige Hauptort des Jabal Nafusah, wo mit den Massen von Schulkindern, einigen Banken und sogar einem Kino mehr los ist als in manch anderer Provinzstadt. In den Töpfereiwerkstätten werden jene gelb und braun glasierten Steingutwaren hergestellt, die Sie überall in der Region kaufen können.
Bis vor nicht allzu langer Zeit lebten viele Menschen hier als »Höhlenbewohner«, indem sie einen Schacht aushoben und darum herum die Wohnräume aus der Erde höhlten. Die meisten dieser Behausungen sind heute verlassen, viele von ihnen mit Abfall gefüllt. Eine jedoch ist Besuchern zugänglich und gewährt einen Einblick in das Leben unter Tage.
Von Gharian verlaufen zwei ungefähr parallele Routen nach Westen, eine oben auf dem Plateau, die andere am Fuße der Abbruchkante. An ein paar Stellen sind sie durch steile, kurvenreiche Straßen miteinander verbunden.
Tormisa, kurz vor Jadu, ist ein verlassenes Berberdorf am Rand eines Abgrunds. Zu Verteidigungszwecken war es durch einen Graben geschützt und früher über eine Zugbrücke erreichbar. Die Steinhäuser mit Dächern aus Olivenholz stehen eng beieinander über der Felswand, zusammen mit einer winzigen Moschee ganz am Ende des Dorfes.
Qasr al-Hadj an der unteren Straße zwischen Jadu und Tuji ist ein Musterbeispiel der befestigten Kornspeicher im Jabal Nafusah. Vor etwa 800 Jahren soll ein Scheich auf der Pilgerfahrt von Marokko nach Mekka gewesen sein. Als wohltätige Gabe stiftete er den großen Rundbau, in dem auch eine Moschee und Unterkünfte für Durchreisende eingerichtet wurden. An den Innenmauern reihen sich Dutzende von Vorratskammern, von denen einige noch heute in Gebrauch sind. Das benachbarte Dorf erhielt seinen Namen nach diesem Wahrzeichen: Qasr al-Hadj heißt so viel wie »Burg des Mekkapilgers«.
Neben der aufstrebenden Ortschaft Nalut be?ndet sich auf einer Felskante das alte Dorf. Außer einer Olivenpresse und einer uralten Moschee ist nicht mehr viel übrig. Das große qasr oder Kastell ist nur noch eine Ruine, ausgenommen der recht gut erhaltene Wehrspeicher für Getreide und Öl, der um 1300 entstand und seither stets vergrößert wurde. Anders als Qasr al-Hadj wirkt er organisch gewachsen, unregelmäßig aufeinandergestapelt wie die Klötze eines Baukastens. Weit unten am Fuß des Felsens sehen Sie die Ruinen italienischer Kasernen. Südlich von Nalut wird die Landschaft immer wüstenähnlicher, obwohl die Kamele noch genug zu fressen und in für sie gegrabenen Wasserlöchern zu trinken ?nden.
Ghadames
Die Wüstenstadt Ghadames, 580 km südlich von Tripolis und 314 km von Nalut entfernt, liegt nahe am Dreiländereck von Algerien, Tunesien und Libyen an einer alten Handelsroute zwischen dem Mittelmeer und dem Tschadsee. Der Ort hatte bereits eine jahrhundertealte Vergangenheit, als er im Jahr 19 v. Chr. in einem kühnen Feldzug von den Römern erobert wurde. Zur Sicherung der Südgrenze bauten die neuen Herren ein Fort.
Im 19. Jh. durchquerten praktisch alle Expeditionen ins Innere Afrikas Ghadames, und auch heute kommen viele Reisende, die in die südliche Sahara wollen, hier vorbei. Souvenirläden und Agenturen, die Wüstenaus?üge anbieten, zeugen vom regen Touristenverkehr. Die Altstadt mit ihren dicken Lehmziegelmauern und den überdachten Gassen dient heute lediglich noch als Attraktion für Besucher. Die Bewohner sind 1982 in die Neustadt gezogen. In einigen ihrer ehemaligen Wohnhäuser haben sich heute Antiquitätenläden einquartiert, und die historische Moschee wird immer noch benutzt.
Leider sind die Palmenhaine verkümmert. Die Hauptquelle Ain al-Faras reicht nicht mehr für das ausgeklügelte Bewässerungssystem. Das italienische Fort, das gleich außerhalb der Stadtmauern um einen Garten gebaut ist, dient nun als Museum. Ein Besuch lohnt sich, man erfährt einiges über Naturgeschichte, Ethnografie (Volksmedizin, Trachten, Handwerk) und Geschichte der Region.
Benghazi
Im 6. Jh. v. Chr. siedelten sich griechische Kolonisten gegenüber von Kreta an der nordafrikanischen Küste an und nannten die Gegend nach den fünf neu gegründeten Städten Pentapolis (»Fünfstadt«): Euhesperides (Benghazi), Barka (Al-Marj), Kyrene, Apollonia und Taucheira (Tocra). 323 v. Chr. kam die Region als Provinz Cyrenaica unter die Herrschaft der ägyptischen Ptolemäer und ?el 96 v. Chr. an Rom. 642 wurde der Küstenstrich arabisch, später Teil des Osmanischen Reiches, bevor 1911 die Italiener das Land besetzten. Im 2. Weltkrieg wechselte die Cyrenaica dreimal die Hand zwischen den Achsenmächten und den Alliierten. Seit der Unabhängigkeit Libyens und der Entdeckung der Erdölvorkommen im Süden entwickelte sich die gesamte Region rasch.
Benghazi, die zweitgrößte Stadt Libyens, liegt an der Ostküste der Großen Syrte. Es wurde so viele Male zerstört und wieder aufgebaut, dass von seinen griechischen und römischen Anfängen nur wenig übrig geblieben ist. Unter den Arabern verlor es an Bedeutung und wurde erst wieder von den Türken aufgewertet, die hier ein Fort bauten. Für die Italiener schließlich war Benghazi ein wichtiger Invasionsstützpunkt. Die Bomben des 2. Weltkrieges ließen nur wenige Reste der Altstadt beim Hafen stehen. Vom Hauptpostgebäude führt eine von italienischen Arkaden gesäumte Straße zum Hauptplatz, auf den eine Moschee aus dem 17. Jh. und der ehemalige türkische Regierungssitz blicken. Ein überraschend ruhiger Suk liegt im Nordteil der Altstadt.
Das moderne Benghazi mit Hochhäusern und einem beeindruckenden Sportkomplex umgibt den See des 23. Juli, den eine Brücke vom Hafen trennt. Von hier aus dehnen sich halbkreisförmig Vorstädte und Industriezonen 10 km weit landeinwärts.
Ein niedriger, staubiger Hügel am Nordrand von Benghazi nimmt heute die Stätte von Euhesperides ein. Im 7. Jh. v. Chr. war sie eine der ersten griechischen Kolonien in Nordafrika. Weil der Hafen versandete, wurde die Stadt im 2. Jh. v. Chr. aufgegeben. Luftaufnahmen zeigen ein gitterartig angelegtes Straßennetz im südlichen Teil, doch das Hauptinteresse gilt dem Sidi-Abed-Hügel, wo neben Zisternen und Kellern noch Spuren von Befestigungsmauern zu sehen sind, die um 600 v. Chr. angelegt wurden. Der Boden ist mit Tonscherben übersät.
Euhesperides wurde von Berenike abgelöst, das auf einer Anhöhe weiter westlich an der Küste entstand. Es heißt heute Sidi Khraibish und ist am viereckigen türkischen Leuchtturm erkennbar. Reste der Stadt aus dem 2. Jh. v. Chr. sind auszumachen. Die Römer bauten 300 Jahre später Verteidigungsanlagen gegen Überfälle von Seeräubern und kriegerischen Völkern. In den Ruinen einer byzantinischen Kirche aus dem 6. Jh. sind Teile eines Fußbodenmosaiks zu sehen.
An der Küste 70 km nordöstlich von Benghazi liegt Tocra, das frühere Taucheira, das zu den fünf Städten der antiken griechischen Pentapolis gehörte. Es behielt auch unter den Römern seine Bedeutung und soll bei der arabischen Eroberung als letzte der byzantinischen Festungen gefallen sein. Große Teile der Stadtmauer, die eine rund 700 x 700 m große Fläche umgibt, sind noch erhalten. Durch das restaurierte Osttor neben dem türkischen Fort gelangt man zu Gräbern, ausgedehntem Mauerwerk und den Fundamenten zweier byzantinischer Kirchen mit Mosaikfußböden.
Ein kleiner Abstecher landeinwärts bringt Sie zuerst in die moderne Stadt des »neuen« Al-Marj. Das ursprüngliche Al-Marj östlich davon wurde 1963 bei einem Erdbeben zerstört. Lange hatte man dort das antike griechische Barka vermutet, und die Tragödie bot Gelegenheit, Ausgrabungen zu machen. Die Archäologen fanden in den 1970er- und -80er-Jahren allerdings nur Tonscherben aus dem 2. Jh. v. Chr. bis zur byzantinischen Ära. Heute sind wieder Leute in die Häuserruinen eingezogen, und die Grabungsstätten sind voller Müll.
Das wahrscheinlich im 4. Jh. v. Chr. gegründete Ptolemais (beim heutigen Tolmeitha) liegt nördlich von Al-Marj an der Küste. Die Trümmer der römisch-byzantinischen Stadt sind landeinwärts vom modernen Ort weit über die Ebene verstreut. Überreste palastartiger Häuser, die wohl von reichen Kaufleuten erbaut worden waren, säumen eine lange Kolonnadenstraße. In einer Parallelstraße steht die sogenannte Festungskirche aus dem 5. Jh. mit einem Tonnengewölbe und einer Apsis. Der Säulenpalast östlich davon enthält prächtige Mosaiken, Bäder und ein großes Schwimmbecken. Unterhalb des Forums zeugen gewaltige Zisternen mit 3 m hohen Säulen von den Schwierigkeiten der Wasserversorgung.
Das Odeion, ein kleiner Theaterbau an der Straße zum Westtor, wurde so umgestaltet, dass man den »Orchestergraben« mit Wasser füllen konnte - wohl zur Erzeugung besonderer Effekte.
Westlich des Hauptruinenfeldes stehen nahe am Meer zwei mächtige Felssockel mit Überresten von Türmen darauf. Wahrscheinlich handelt es sich dabei um Grabmäler aus ptolemäischer Zeit.
Im Osten von Ptolemais reicht der Bergzug des Jabal Akhdar (Grünes Gebirge) fast bis ans Meer. Steile Straßen führen auf die Höhen hinauf, wo dank des ausreichenden Regens auf den Terrassenhängen Obst, Getreide, Reben und Oliven gedeihen und Vieh auf den Wiesen weidet. In den 1930er-Jahren siedelte man hier Tausende von süditalienischen Kleinbauern an. Nach dem Rückzug der Italiener 1942 wurden sie vertrieben. Viele ihrer Häuser stehen aber noch, manche als Ruinen, andere dienen neuen Zwecken.
Im Jahr 1956 förderten Ausgrabungen einer Kirche aus dem 6. Jh. auf einer Anhöhe bei Qasr Libya (Qasr al-Lebia) 50 hervorragend erhaltene Mosaiktafeln zutage, die dort in einem Museum zu sehen sind.
Al-Bayda, das ein Zentrum des islamischen puritanischen Senussi-Ordens und später der italienischen Verwaltung war, ist eine lebendige, verkehrsreiche Stadt. In Slonta (oder Salantah), auf den Höhen 24 km südlich von Al-Bayda, sind in einem merkwürdigen Heiligtum roh aus dem Fels gehauene Skulpturen von Menschen und Tieren - vor allem Schlangen - zu sehen. Sie stammen möglicherweise aus dem 3. Jh.
Kyrene wurde 631 v. Chr. als erste griechische Kolonie in Nordafrika von der Vulkaninsel Thera (Santorin) aus gegründet. Die Siedler hatten sich zuerst an der Küste niedergelassen, aber bald in den Bergen dahinter fruchtbareren Boden und ein angenehmeres Klima gefunden.
Kyrene wuchs schnell, und in der Umgebung entstanden der Hafen Apollonia und Tochterstädte. Unter den ägyptischen Ptolemäern wurde es ein Zentrum der Gelehrsamkeit, und die Römer vergrößerten die Stadt im 1. Jh. v. Chr. beträchtlich. Ein Aufstand der Juden 115 - 16 richtete gewaltige Zerstörungen an, worauf Kaiser Hadrian nach einem Besuch den Wiederaufbau befahl. Im 4. Jh. setzte Roms Niedergang ein, Nomadenüberfälle bedrohten Landwirtschaft und Handel. Der lange Zerfall Kyrenes begann, obwohl sich die Byzantiner um eine Wiederbelebung bemühten. Auf den Trümmern enstand das arabische Dorf Shahat; die meisten seiner Einwohner sind in Neubauten etwas außerhalb der antiken Stadt gezogen.
Die Ausgrabungsstätte besteht aus fünf Hauptzonen: dem Zeus-Tempel, dem römischen Stadtkern, der griechischen Agora (dem späteren römischen Forum), der Akropolis und schließlich der Quelle und dem Heiligtum Apollons.
Mit einer Länge von 70 m ist der Zeus-Tempel größer als der Parthenon auf der Akropolis von Athen. Um 550 v. Chr. errichtet, wurde er nach der Zerstörung im Aufstand der Juden von den Römern im dorischen Stil - doch sonst völlig anders - wieder aufgebaut. 1950 stand nur noch eine einzige der großen Säulen; italienische Archäologen haben die restlichen wieder zusammengesetzt.
Die Hauptstraße der römischen Stadt durchquert das Zentrum der Stätte entlang einem Tal vom Osttor bis zum Antoninus-Tor. Das Dorf Shahat liegt westlich an der Straße, die danach eine Kurve beschreibt und hinunter zum Apollon-Heiligtum führt.
Öffentliche Gebäude und Tempel scharen sich um die griechische Agora. Einen Rundbau in der Mitte hat man einst als das Grab des Battos I. angesehen, des Anführers der ersten griechischen Kolonisten, der dann ihr König wurde. Heute geht man davon aus, dass er weiter südöstlich bestattet wurde, in der Nähe des Monuments, das eine Göttin auf einem Schiffsbug darstellt. Die Hauptstraße neben der Agora wird von schönen, leider kopflosen Statuen gesäumt. Auf der Nordseite haben die Byzantiner eine Schutzmauer errichtet, im Süden be?nden sich ein hübsches Theater und das mit Mosaiken geschmückte Haus des Jason Magnus.
Wenn Sie der Straße weiter in westlicher Richtung folgen, kommen Sie auf eine Anhöhe mit der Akropolis. Dort sind noch Überreste von Mauern, Türmen und einem den ägyptischen Gottheiten Serapis und Isis geweihten Tempel zu sehen. Ein paar Schritte nördlich der Akropolis windet sich ein Pfad ein enges, steiles Tal hinunter. Dabei handelt es sich um den alten Pilgerweg, der zum Apollon-Heiligtum führte, dem Weihbezirk um die Quelle, die noch immer in einer nahen Felshöhle sprudelt. Die ältesten Teile des Heiligtums stammen zwar aus dem 6. Jh. v. Chr., doch im 2. Jh. n. Chr. wurde es beträchtlich umgestaltet und vergrößert. Um den Apollon-Tempel scharen sich auf der Terrasse weitere Tempel - Artemis, Aphrodite und Isis geweiht - , Altäre und Thermen. Das halbrunde Theater westlich der Quelle wurde später in ein Amphitheater umgebaut.
Das Tal öffnet sich gegen Nordwesten und lässt den Blick auf das ferne Meer frei. Am Steilhang erstreckt sich die Nekropolis mit Hunderten von griechischen und römischen Felsgräbern.
Der Hafen Apollonia liegt 20 km nordöstlich von Kyrene neben der Stadt Susa. Ein kleines Museum beim Eingang beherbergt einige Statuen und Mosaiken. Teile der antiken Stätte sind im Meer versunken; einige Ruinen stehen direkt am Wasser, andere sind nur bei Tauchgängen oder aus der Luft zu sehen.
Die mächtigen Stadtmauern, um 250 v. Chr. erbaut, wurden im 1. oder 2. Jh. n. Chr. verstärkt und im 4. Jh. durch Zumauern der meisten Tore noch wehrhafter gemacht. Die meisten Gebäude innerhalb der Mauern sind aus byzantinischer Zeit: Häuser mit Zisternen, drei Kirchen mit schönen Marmorsäulen und der Byzantinische Palast, möglicherweise der Sitz des Statthalters. Am beeindruckendsten ist das Theater, das sich ganz im Osten außen an die Stadtmauer lehnt. Die Sitze, mit Blick auf das Meer, sind teilweise aus dem Fels gehauen.
Tobruk ist heute eine moderne Hafenstadt ohne besonderen Reiz. Im 2. Weltkrieg machte es wegen der erbitterten Kämpfe um seinen Besitz Schlagzeilen. Nachdem die Stadt mehrmals die Hand gewechselt hatte, blieb kaum noch ein Stein auf dem andern. Heute unterbrechen Reisende hier die Fahrt zur 100 km entfernten ägyptischen Grenze, und andere kommen, um die verschiedenen Soldatenfriedhöfe südlich von Tobruk zu besuchen.
Oasen und Wüste
Obwohl Libyen hauptsächlich aus Wüste besteht, handelt es sich beim Zentrum und dem Süden des Landes nicht um menschenleere Gebiete. Oasengruppen von Kufra im Osten bis Ghat im Westen sind seit prähistorischer Zeit bewohnt. Und heute beschäftigen sich hier weit verstreute Heerscharen von Technikern damit, aus Quellen tief im Untergrund Erdöl und Wasser zu gewinnen und an die Küste zu pumpen. Abenteuerlustige Reisende wagen sich bis ganz in den Süden vor, um die außergewöhnlichen Felsbilder der Steinzeit zu bewundern, als Großwild die einst viel grünere Landschaft durchstreifte.
Kufra, unweit der ägyptischen Grenze und 1000 km südlich von Benghazi, ist eine Oasengruppe, die seit Urzeiten eine wichtige Station auf den Handelsrouten vom Sudan war. Während der italienischen Kolonisierung war es ein Bollwerk des Widerstands und konnte erst nach 20 Jahren unterworfen werden. Damals war der Ort nur eine Ansammlung von Lehmhäusern. Dank den in den 1950er-Jahren entdeckten riesigen Wasservorkommen werden heute Zitrusgewächse, Gemüsekulturen, Weizenfelder und Dattelpalmen bewässert.
Von Tripolis sind es nach Sabha (oder Sebha), der Hauptstadt der gleichnamigen Verwaltungseinheit, 700 km auf dem Luft- und weit mehr auf dem Landweg. Hier hat al-Gaddha? die höheren Schulen durchlaufen. Die Stadt, in den letzten Jahren rasch gewachsen, ist nun einer der größten Orte des Landes. Tief im Erdboden sind Grundwasservorkommen angezapft worden. Sie speisen den künstlichen Fluss, der das kostbare Nass in Rohrleitungen zur Küste bringt, und haben die Verwirklichung ehrgeiziger Agrarprojekte ermöglicht. Die Landschaft ist erstaunlich vielfältig. Wasser be?ndet sich nicht nur unter der Erdober?äche, sondern sammelt sich auch zu kleinen Seen, die dank ihrer Algen in allen Regenbogenfarben leuchten. Riesige, bis 60 m hohe Wanderdünen bedrohen die Umgebung - ganze Siedlungen haben den Sandmassen schon weichen müssen.
Das Wadi al-Hayat westlich von Sabha war das Land der Garamanten, eines Königreiches, das von 1000 v. Chr. bis 100 n. Chr. blühte. Dieses Volk war für seine vierspännigen Streitwagen und seine Viehzucht bekannt. Die Garamanten gerieten in Kon?ikt mit den Römern, die Strafexpeditionen zur Unterdrückung ihrer Raubzüge aussandten. Die Ruinen der Hauptstadt Garama sind unweit von Germa, östlich der Stadt Ubari, zu sehen.
Im äußersten Westen an der algerischen Grenze liegt Ghat, ein Zentrum der Tuareg, die jahrhundertelang die Herren der Sahara in diesen Breitengraden waren. Sie haben ihre Lehmhäuser verlassen und leben jetzt in einer neu gebauten Stadt. Im Akakus-Gebirge im Osten und dem sich weit nach Algerien hineinziehenden Tassili n?Ajjer ?ndet man eine Ansammlung sondergleichen an prähistorischer Felskunst. Die Malereien und Gravuren stellen Jagdszenen, weidendes Vieh, Familienleben und Feste dar. Sie zeitlich einzuordnen ist sehr schwierig; oft überdecken sich Bilder aus verschiedenen Epochen, andere sind leider verschandelt. Die ältesten stammen wahrscheinlich aus der Zeit um 7000 v. Chr., die Hirtenszenen von 5000 - 4000 v. Chr., die Reiter von 1500 und die Kamele von 200 v. Chr. Die schönsten Beispiele sind unter überhängenden Felsen verborgen und nicht einfach zu ?nden, aber Tuareg-Führer zeigen Ihnen noch so gerne den Weg.
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