Libanon

Sehenswürdigkeiten

Beirut

Die auf einer Felsenhalbinsel gelegene Hauptstadt des Libanons wird auf drei Seiten vom Mittelmeer umspült und wirkt erstaunlich groß für ein so kleines Land. Doch der Hafen von Beirut war schon früher das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum für eine Region, die weit über den Libanon hinaus reichte.

Nach dem 2. Weltkrieg und der Unabhängigkeit entwickelte sich Beirut rasch zu einer westlich geprägten, aufgeschlossenen, blühenden Stadt und zu einem Modell des gemeinschaftlichen Zusammenlebens. Im Bürgerkrieg wurde das alte Stadtzentrum zerstört, und man baute die Vorstädte rasch und planlos aus, ohne sich viel Gedanken über die Architektur zu machen. Die Stadt, die schon früher nicht gerade mit historischen Monumenten gesegnet war, verlor 1975 - 91 viele Sehenswürdigkeiten, so etwa die Place des Canons (oder Place des Martyrs) und die Suks, den gedeckten Markt, wo sich einst Angehörige aller Volksgruppen des Libanons trafen.

Als der Schutt weggeräumt wurde, hatten die Archäologen eine einmalige Gelegenheit, die Vergangenheit freizulegen. Sie entdeckten eine kanaanäische Siedlung mit 5000 Jahre alten Tonurnen und steinernen Stadttoren, eine Stadtmauer des phönizischen Berutas aus dem 7. Jh. v. Chr. sowie Römerstraßen und die Fundamente zahlreicher römischer Gebäude. Vom Hippodrom, das jahrhundertelang unter dem Judenviertel verborgen war, kamen nun sogar einzelne Steinsitze zum Vorschein. Auch stießen die Archäologen auf Befestigungen der Kreuzfahrer und auf eine große Karawanserei.

Am Meer entstand aus den Kriegstrümmern eine ganz neue Uferanlage mit Parks, Promenaden und einem Jachthafen. Die am stärksten beschädigten Gebäude wurden abgerissen und durch moderne Konstruktionen ersetzt, während andere, so das Parlament am Nejmeh Square (Place de l?Etoile) und das Grand Serail, eine frühere türkische Kaserne, die als Regierungssitz diente, restauriert werden konnten.

Die Große Moschee, eigentlich eine umgewandelte romanische Kirche, die Kathedrale, die verschiedenen christlichen Kirchen sowie einige typische Gebäude aus der türkischen und der französischen Zeit wurden mit Steinen aus den Originalsteinbrüchen sorgfältig wieder instand gestellt.

Das Nationalmuseum (für Archäologie und Kunst) an der Grenze zwischen Ost- und West-Beirut stammt aus den 1930er-Jahren und wurde in neuägyptischem Stil errichtet. Es dokumentiert die Geschichte des Libanons seit der Vorzeit und besitzt einige der bemerkenswertesten Funde der phönizischen Zivilisation. Während des Bürgerkriegs wurden die kleineren Stücke sicher verwahrt und die großen Sarkophage und Mosaiken durch eine Betonverschalung sorgfältig geschützt.

Ein interessantes Privatmuseum ist das frühere Haus von Henri Pharaon in Zokak al-Blat nahe beim Grand Serail. Der 1898 geborene (und 1993 in seinem Schlafzimmer ermordete) Pharaon war der reichste Mann im Libanon. Er entwarf nicht nur die Landes?agge, sondern füllte 25 Räume seines Hauses mit Antiquitäten: Von phönizischen und griechischen Sarkophagen über Elfenbeintische der Mamelucken bis hin zu byzantinischen Ikonen gibt es viel zu bewundern.

Am besten rüsten Sie sich mit einem Stadtplan aus und erkunden Beirut zu Fuß. Die Hauptader im Westen ist die geschäftige Rue Hamra. Vor dem Krieg galt sie als das Schaufenster eines aufstrebenden, westlich geprägten, wohlhabenden Landes. Heute bietet sie einen Querschnitt der nahöstlichen Gesellschaft mit Banken, Hotels, Fastfoodlokalen, Buchläden, Cafés, Geldwechslern und Kinos mit bunten Plakaten.

Die Rue Hamra führt direkt ans Meerufer von Ras Beirut, einem bereits im 19. Jh. beliebten Promenadenziel. Zu den Hauptattraktionen zählen die Taubenfelsen von Rawche, frei stehende Klippen, die durch das Meer vom Festland abgetrennt sind. Eine Bootsfahrt rund um die Felsen dauert etwa 10 Minuten. In Rawche be?nden sich die meisten Hotels, Ferienwohnungen und viele Restaurants.

Die nördlich anschließende Corniche (Küstenstraße) ist sowohl bei den Einheimischen als auch bei den Besuchern sehr beliebt. Nach dem Leuchtturm (manara) kommen Sie in östlicher Richtung an den Gärten der Amerikanischen Universität vorbei zu einer Ansammlung großer Hotels, darunter dem berühmten Phoenicia, das in mehr als nur seiner alten Pracht wieder auferstanden ist.

Gleich gegenüber liegt die sogenannte beach (eher ein Schwimmbecken mit Kleinhafen) des Hotels St George. Es gibt hier mehrere Badestrände, doch der Jachtklub des St George liegt unbestritten am höchsten im Kurs; während Jahren diente er als Treffpunkt der internationalen Presse. Das Hotel selbst bleibt wegen Rechtsstreitigkeiten geschlossen, doch im Klub trifft sich jeder, der im Libanon »in« sein will.

Die kurvenreichen Alleen des alten Viertels Ain el-Mreisse führen hinauf zur Rue Bliss und zur American University of Beirut (AUB), die von Tausenden Studenten besucht wird. Das 1868, im selben Jahr wie die Universität, auf dem Campus gegründete Archäologische Museum ist eines der ältesten im Nahen Osten. Seine sehr umfangreichen Sammlungen, zum größten Teil private Schenkungen, illustrieren alle nahöstlichen Kulturen von der Vorgeschichte bis zur jüngeren Vergangenheit.

Gönnen Sie sich außerdem einen Spaziergang auf den von Bäumen gesäumten Avenuen des Campus, die eine willkommene Abwechslung zum hektischen Stadtverkehr bieten. Die Studenten der AUB machen das Viertel zu einem der lebendigsten der Stadt.

Im am anderen Ende der Kapitale gelegenen Stadtteil Ost-Beirut hat man beinahe das Gefühl, sich in einer anderen Stadt zu be?nden; fast nahtlos deckt sich die geogra?sche Trennung mit dem religiösen Unterschied zwischen Muslimen und Christen. Die tragischen Ereignisse der letzten Jahrzehnte haben den früheren Lebensstil und die alten Gewohnheiten zwar verändert, aber die ruhigere, weniger »orientalische« Atmosphäre ist in Ost-Beirut noch immer spürbar.

Östlich des alten Zentrums liegt die Wohngegend Mar Nicolas, wo das Sursock-Museum für Kunst und Skulptur im 1914 gebauten Haus des reichen Libanesen Nicolas Sursock untergebracht ist. Es dient heute auch als Kulturzentrum. Besonders schön ist der Gesellschaftsraum im ersten Stock, dessen Wände und Decken mit Blumen- und Landschaftsmalereien (17. - 19. Jh.) geschmückt sind. Hier sind chinesisches Porzellan und islamische Kunstgegenstände ausgestellt, darunter Keramik aus dem 12. - 13. Jh., ottomanisches Silbergeschirr und in der Mitte ein riesiger, verzierter Krug aus omaijadischer oder abbasidischer Zeit (7. - 9. Jh.).

In Mar Nicolas (und anderen Orten der Stadt) sind noch einige Beispiele der traditionellen libanesischen Architektur zu sehen, die arabische, französische und ottomanische Ein?üsse kombiniert: große, schöne Steinhäuser mit (meist drei) gewölbten Bogenfenstern.

Der Bezirk Achra?eh landeinwärts von Mar Nicolas ist das Herz des christlichen Beiruts und war ursprünglich von einer griechisch-orthodoxen Bevölkerung bewohnt. Statt Moscheen stehen an den Straßen kleine Schreine, die das Leben von Heiligen bebildern.

Im Bezirk Karantina (Quarantäne) wurden früher verdächtige Güter untersucht, die auf dem Seeweg eintrafen. Später lebten hier verarmte Zuzüger vom Land und armenische oder kurdische Flüchtlinge.

Am andern Ufer des einst von Bäumen gesäumten Beirut-Flusses - heute ein offener Ab?uss - liegt das Viertel Borj Hammoud. Es entstand aus einem armenischen Flüchtlingslager. An diese Zeit erinnern noch viele Schilder von Schneidern und Juwelieren.

Aus?üge in den Norden

Die nördliche Küstenstraße gelangt bald an den Fluss Nahr al-Kalb, wo Invasoren und Eroberer von Ramses II. und Nebukadnezar bis zu den Römern, Türken, Briten und Franzosen in den Fels geritzte Inschriften hinterlassen haben. Flussaufwärts liegen die Jeita-Grotten, Sandsteinhöhlen mit fantastischen Stalaktiten und Stalagmiten.

Weiter im Landesinnern klettert die Straße durch eine spektakuläre Landschaft hinauf zu den libanesischen Skigebieten Faraya und Mzaar, 2400 m ü.M. und weniger als eine Stunde von der Hauptstadt entfernt.

Jounieh weiter nördlich an der Küste war früher ein hübscher Fischerhafen und Badeort. Im Bürgerkrieg wurde es zum stark ausgebauten Hafen der christlichen Zone mit Hochhäusern und Nachtklubs. Eine Seilbahn führt zur Basilika Unserer Lieben Frau des Libanons in Harissa hinauf, wo man eine schöne Aussicht hat. Das Casino du Liban bietet Glücksspiele und eine Show wie in Las Vegas.

Das hübsche Städtchen Jubail, 38 km nördlich von Beirut, ist das antike Byblos. Jubail gehört zu den ältesten dauerhaft bewohnten Siedlungen der Welt; die frühphönizischen Ruinen wurden vorbildlich restauriert. Ursprünglich hieß die Stadt Gebal, doch die Griechen nannten sie bublos, die Bezeichnung des Schreibmaterials (Papyrus), das aus Ägypten über diesen Hafen nach Griechenland eingeführt wurde. Die Bewohner von Byblos werden in der Bibel als fähige Zimmerleute beschrieben, die aus Zedernholz das Gebälk des Salomonischen Tempels errichteten.

Die im 19. Jh. begonnenen Grabungen brachten 7000 Jahre alte Fundstücke und eine Königsnekropole aus dem 2. Jt. v. Chr. ans Licht. Der Sarkophag des Ahiram im Nationalmuseum trägt eine Inschrift in der ältesten bekannten Form des phönizischen Alphabets. In der Nähe der archäologischen Stätten befindet sich eine gut erhaltene Kreuzfahrerburg. Auch die romanische Kirche Johannes? des Täufers wurde von Kreuzfahrern gebaut. Von dort führt eine enge Gasse zum kleinen Hafen hinunter.

In Batroun, nördlich von Byblos, steigt eine Straße landeinwärts hinauf in das für seine landschaftliche Schönheit berühmte Qadicha-Tal. Dies ist die spirituelle Heimat der maronitischen Christen, die hier bei Beginn der islamischen Invasion im 7. Jh. Schutz fanden. Die auf ihre Unabhängigkeit erpichten Maroniten verwandelten das Tal in eine richtige Festung mit Wehrdörfern und unzugänglichen Klöstern.

Bcharré (1400 m ü. M.) ist der Geburtsort von Khalil Gibran (1883 - 1931), der vor allem dank seinem Buch Der Prophet bekannt wurde. Im Alter von 11 Jahren wanderte er nach Amerika aus, doch sein Grab be?ndet sich in der Felsenkapelle des Klosters Mar Sarkis. Ein kleines Museum zeigt einige seiner Manuskripte, Notizbücher, Zeichnungen und Gemälde. Ein weiteres Kloster in der Region ist Mar Licha (Sankt Elysius) im Innern einer riesigen Höhle - für den Besuch muss man eine gute Stunde zu Fuß einrechnen. In der Nähe be?ndet sich die Qadicha-Grotte, wo der gleichnamige Fluss entspringt.

Auf rund 2000 m Höhe sind die Zedern des Libanons zu ?nden. Die Maroniten nannten sie arz er-Rab, die Zedern Gottes. Erwarten Sie aber keinen Wald: Von den alten Bäumen ist nur ein Dutzend übriggeblieben, obschon erfolgreiche Programme zur Anp?anzung neuer Sämlinge hier und anderswo im Libanon sowie im Ausland bestehen.

Wenn Sie Zeit haben, fahren Sie die Küste entlang weiter nach Tripoli, der alten phönizischen »Dreistadt«, 86 km nördlich von Beirut. Die verwinkelte Altstadt aus der Zeit der Mamelucken (14. und 15. Jh.) entstand rings um die imposante Kreuzfahrerburg St. Giles. Etwa 40 km nordöstlich von Tripoli liegt die raue Landschaft der Akkar-Region an der syrischen Grenze. Jenseits davon steht die größte aller Ritterburgen, die Krak des Chevaliers, die auf einem langen Tagesaus?ug von Beirut aus erreichbar ist.

Ins Landesinnere

Die libanesischen Emire, teils unabhängige Herrscher unter den türkischen Ottomanen, bauten ihre prächtigen Paläste in den Bergen des Chouf, weniger als 50 km südöstlich von Beirut. Wenn Sie nur einen davon besichtigen können, wählen Sie Beiteddine von Beshir II. aus dem 19. Jh. Der Stil ist entschieden orientalisch, und einige Teile ähneln der andalusischen Alhambra. Das Brunnengeplätscher in manchen Räumen sollte verhindern, dass vertraulich ausgetauschte Staatsgeheimnisse mitgehört werden konnten.

In der verschlafenen Stadt Deir el-Qamar unweit des Beiteddine erinnert nur wenig an ihre einstige Bedeutung. Die Herkunft ihres Namens - er bedeutet »Kloster des Mondes« - ist ungewiss, doch im 16. und 17. Jh. diente sie als Sitz des libanesischen Gouverneurs. Mit den kürzlich restaurierten Monumenten rund um den Zentralplatz (midan) wirkt sie wie ein Freilichtmuseum. Die zauberhafte Moschee mit achteckigem Minarett stammt aus dem 16. Jh., der Seidenhändler-Suk (Kaissarie) und mehrere Paläste aus der Zeit des 17. - 19. Jh.

Auf einer 90 km langen Fahrt gelangen Sie von Beirut über das Libanongebirge in das Bekaa-Tal zur majestätischen Stätte von Baalbek. Die meisten Ruinen stammen aus der Römerzeit. Im 1. Jh. v. Chr. ließ Kaiser Augustus hier einen prächtigen Jupitertempel errichten. Jahrhunderte zuvor verehrten die Phönizier an der gleichen Stelle Baal Shamen, und die Griechen nannten sie Heliopolis, die Stadt der Sonne. Die auf den Fundamenten des Jupitertempels übriggebliebenen sechs 20 m hohen Säulen sind neben dem Zedernbaum die bekanntesten Wahrzeichen des Libanons. Auf einem tiefer gelegenen Podium steht der gut erhaltene Bacchustempel aus dem 2. Jh. n. Chr. Sein prächtig geschmücktes Portal und ein Teil der Deckenverzierung haben überlebt, eine Seltenheit bei Bauten dieses Alters.

Ein weiteres Wahrzeichen von Baalbek ist das Hotel Palmyre, eines der ersten seiner Art im Nahen Osten. Zahlreiche Persönlichkeiten stiegen hier ab, von Kaiser Wilhelm II. bis zu General de Gaulle. Dieses »historische Denkmal« bezaubert mit seinem altmodischen Charme - allerdings wäre eine Renovierung nötig.

Beim Besuch des Bekaa-Tals reicht es vielleicht für einen Abstecher zu den eindrücklichen Resten der Omaijadenstadt Aanjar (8. Jh.) an der Straße nach Damaskus. Den genauen Zweck dieser symmetrisch angelegten isolierten Siedlung mit vier befestigten Mauern kennt niemand. Das nahe Zahlé ist ein beliebter Aus?ugsort der Libanesen, die gerne in einem der vielen Gartenrestaurants tafeln.

Südwärts

Wer in den Süden reist, sollte sich zuerst über die gegenwärtigen Sicherheitsbestimmungen informieren; seit den Auseinandersetzungen zwischen der Hisbollah und Israel im Sommer 2006 gilt die Lage in dieser Region als unübersichtlich.

Saida ist der heutige Name des rund 40 km südlich von Beirut gelegenen antiken Hafens von Sidon. Ein Blickfang der Altstadt ist die Seeburg (Qalaat el-Bahr), eine Festung, die von den Kreuzfahrern auf einer kleinen Insel errichtet wurde und durch eine ebenfalls befestigte Brücke mit dem Festland verbunden ist. Der Murexhügel erinnert an phönizische und römische Zeiten. Er hat seinen Namen von den Meeresschnecken, aus denen damals die kostbare Purpurfarbe gewonnen wurde. Der Hügel besteht angeblich ganz aus leeren Schneckenhäusern.

Das 80 km von Beirut weiter südlich an der Küste gelegene Sour war die antike Handelsstadt Tyrus, die große Rivalin Sidons. Von hier stachen um 800 v. Chr. die späteren Gründer Karthagos in See. Um die Stadt auf der Felseninsel im Meer zu erstürmen, baute Alexander der Große eigens einen Damm vom Festland her; seither ist daraus durch Ansammlung von Sand und Schlick eine breite Halbinsel entstanden. Die 1948 begonnenen Ausgrabungen sind die größten des Landes (auf mehr als 15 ha Fläche). Eine 175 m lange Prachtstraße durchquert das Gelände mit römischen und byzantinischen Ruinen bis zum alten Hafen. In der modernen Stadt wurde eine Nekropole mit zahlreichen Sarkophagen freigelegt, von denen einige im Nationalmuseum ausgestellt sind. Das ebenfalls ausgegrabene römische Hippodrom ist eines der größten und besterhaltenen seiner Art.

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