Jordanien
Sehenswürdigkeiten
Die sehenswerten Stätten liegen fast alle auf der östlichen Hoch?äche, genauer gesagt zwischen dem Jordan und der Fernstraße Aqaba - Ma?an - Amman - Damaskus. Die Verbindung - auch »Königsweg« genannt - hat der früheren Eisenbahnstrecke, ein Schauplatz der Heldentaten des berühmten Briten Lawrence von Arabien (1888 - 1935), den Rang abgelaufen. Die nachstehende Reiseroute folgt dem malerischen Königsweg zwischen Amman und Petra.
Aqaba
Vor nicht allzu langer Zeit schlummerte Aqaba noch als stilles Fischerdorf am Roten Meer unter Palmen neben einem kleinen arabischen Fort. Diese Mameluckenfestung entstand im 16. Jh. auf den Ruinen der Kreuzfahrerburg, die Rainald von Châtillon als Stützpunkt für seine Angriffe auf Mekkapilger benutzte. Unter islamischer Herrschaft diente sie als Karawanserei. Neben den Rundtürmen und Verliesen sind Reste der Kamelställe und einer Moschee zu sehen. Beachten Sie das Gebälk aus Baumstämmen und das Wappen der (bis heute in Jordanien regierenden) haschemitischen Dynastie über dem Haupteingang.
Vor dem Fort befinden sich das Antikenmuseum Aqabas und das Fremdenverkehrsbüro. Ein Teil des Museumsgebäudes diente 1917 als Residenz des Scheichs Hussein ibn Ali, dem Scherifen von Mekka und Ur-urgroßvater des heutigen jordanischen Königs. Die Bedeutung von Aqaba als Handelsplatz ist an den geschnitzten Korallen, glasierten und bemalten Töpferwaren und Münzen aus Äthiopien, Ägypten, Irak und China erkennbar. Auch der erste Meilenstein der römischen Via Nova Traiana gehört zur Sammlung.
Die exotische Wunderwelt des Roten Meeres und anderer Meere kommt in der Aqaba Marine Science Station (9 km südlich des Fährhafens) gut zur Geltung. Zu den »Stars« zählen Tiger- und Hammerhaie, Papagei- und Clownfische, Seeschildkröten, Stechrochen und kleinere Lebewesen.
Die meisten gepflegten Strände gehören den Hotels, doch gibt es beim National Tourist Camp 2 km südlich des Fährhafens einen guten und nicht allzu überlaufenen Badeplatz. Die teils rosafarbenen, teils schwarzen Korallenriffe werden liebevoll bewahrt. Wer die Unterwasserwelt aus der Nähe betrachten will, kann in größeren Hotels, im Red Sea Diving Centre oder im Royal Diving Centre (18 km südlich von Aqaba) eine Tauchausrüstung mieten. Als Alternative bietet sich eine Fahrt im Glasbodenboot an.
Jordaniens »Côte d?Azur« an der von einer Bergkette geschützten Bucht lockt Besucher aber auch mit Sandstränden und kristallklarem Wasser an. Auf die Sonne können Sie sich hier verlassen, und neben zahllosen sportlichen Aktivitäten, besonders Tauchen, können Sie die gastfreundliche Bevölkerung und die Kultur kennenlernen.
Zweimal pro Woche verkehrt ein von einer Dampflok gezogener Zug zwischen Aqaba und Wadi Rum.
Die Wüste
Zwei Stunden südlich von Petra erreicht man die Wüstenlandschaft des Wadi Rum, die Lawrence von Arabien begeisterte. Noch heute faszinieren die Farben und die von Wind und Zeit kunstvoll skulptierten Gesteinsformationen. Von natürlichen Steinbrücken überspannte Schluchten, Felstürme und Sandplateaus bieten Gelegenheit zum Wandern und gute Möglichkeiten für Bergsteiger.
Im Resthouse des modernen Dorfes Rum kann man sich verpflegen und in großen Gemeinschaftszelten der Beduinen übernachten. Andere Campingmöglichkeiten bestehen südlich von Rum in Abu Aina. Wer den Sonnenauf- und -untergang in der Wüste erleben möchte, sollte einmal hier übernachten.
Zu den Touristenzielen gehören der 1754m hohe Jebel Rum, an dessen Osthang (nicht weit vom Rasthaus) ein aus dem Felsen gehauener Nabatäertempel steht. An einigen der steinernen Wände sind Zeichnungen von Kamelen, Jägern und Kriegern zu sehen, die thamudische Nomaden aus Arabien im 2. oder 3. Jh. n. Chr. einritzten. Etwas weiter entfernt liegt die Quelle Ain ash-Shallaleh, die man auch (aus historisch unbelegten Gründen) Lawrence-Brunnen nennt.
Petra
Dies ist der Stoff, aus dem die Träume von Tausendundeiner Nacht sind ? Der Weg in die geheimnisumwitterte Welt der Nabatäer führt über Bab es-Sik (»Eingang zur Schlucht«).
Die von den Arabern Batra genannte Stadt erhielt von den Griechen den treffenden Namen Petra (abgeleitet von petros, »Fels«). In Architektur und Bildhauerkunst ließen sich die Nabatäer von allen Stilrichtungen inspirieren - sowohl die eleganten griechischen wie auch die verschwenderischen orientalischen Traditionen wurden integriert. Die Königsstadt breitet sich auf einem ausgedehnten Gebiet zu Berg und Tal aus, und man braucht schon einen ganzen Tag, um nur die wichtigsten Attraktionen kurz zu betrachten - das Schatzhaus, das Theater, den Felsentempel Ed-Deir, das ausgeklügelte Bewässerungssystem und die Reste des Zentrums.
Das berühmteste und besterhaltene Baudenkmal ist das Schatzhaus (el-Khasneh) mit seiner 40 m hohen Fassade, die mit Säulen, Statuen, Skulpturen und Blumenornamenten geschmückt ist. Geradezu schlicht sind dagegen die aus dem rosaroten Sandstein herausgearbeiteten weiten Innenräume. Vermutlich wurde dieses Monument, ein außergewöhnliches Beispiel des sogenannten spät-antiken Barocks, zu Beginn der christlichen Zeitrechnung als Grabmal für einen Nabatäer-Herrscher erbaut.
Das Theater hatte 47 Ränge und bot 7000 Zuschauern Platz. Sein Bau geht auf König Aretas IV. zurück, der 9 v. Chr. den nabatäischen Thron bestiegen hatte. Unter diesem Herrscher, der fast 50 Jahre lang regierte, erreichte Petra seine höchste Machtentfaltung.
Das Urnengrab mit einem erstaunlichen Terrassenvorbau wurde 447 n. Chr. unter Bischof Jason in eine christliche Kirche umgewandelt; eine griechische Inschrift im Innenraum weist darauf hin. Das nach den Regeln der hellenistischen Kunst errichtete Etagengrab (auch Palastgrab) in der geschlossenen Front der Gräber der nabatäischen Könige ist in seinen Ausmaßen derart gewaltig, dass die Römer die letzten Stockwerke aus zurechtgehauenen Quadern und Backsteinen aufsetzen mussten, weil die Felswand nicht reichte.
Auch die P?astersteine des Cardo Maximus im Zentrum der antiken Stadt stammen aus der römischen Antike. Ganz am Ende, hinter dem Bogentor, gelangt man zum »Palast der Pharaonentochter«, Qasr al-Bint Fira?un, dem Haupttempel von Petra. Er war Dushara, dem Gott der Nabatäer, geweiht.
Das Archäologische Museum liegt neben dem Restaurant Forum am Nordwestrand des alten Stadtzentrums. Neben Skulpturen, Schmuck, Keramik und Münzen sind hier im Theater gefundene Statuen von Dionysos und Aphrodite und ein geflügelter Löwe des Tempels zu sehen. Bemerkenswert ist auch das Relief mit dem Titel Die Tragödie.
Auf einem Tagesaus?ug bleibt noch Zeit für den Aufstieg zum christlichen Felstempel Ed-Deir (Kloster) mit schöner Sicht über Petra.
Totes Meer und Jordantal
Weiter nördlich kommt man zum Toten Meer, einer der eigenartigsten Stätten nicht nur des Mittleren Ostens, sondern der ganzen Welt. Dieses Meer verdankt seine Bezeichnung dem außergewöhnlich hohen Salzgehalt des Wassers (etwa 30%). Sein Wasserspiegel, der sich ständig senkt, liegt fast 400 m unter dem Meeresspiegel und bildet die tiefste Stelle der Erdober?äche.
Baden im Toten Meer ist nicht gerade angenehm, aber wer möchte, kann sich selbst davon überzeugen, dass man sich darin auch in sitzender Stellung halten kann? Passen Sie auf, dass kein Wasser in Ihre Augen kommt.
Im Norden des 75 km langen Toten Meeres erreichen Sie die Mündung des Jordan, eines der wichtigsten Flüsse für das sichelförmige fruchtbare Anbaugebiet. In seinem Tal stieß man auf gut zehntausend Jahre zurückreichende Spuren von Urzeitmenschen, die hier sess-haft wurden. Im 13. Jh. v. Chr. zogen auch die Israeliten nach Durchquerung der Wüste Sinai durch dieses Gebiet; sie überquerten den Wasserlauf in der Nähe der heutigen Allenby-Brücke (mit dem lange Zeit einzigen Grenzübergang), bevor sie, so erzählt die Bibel, nach Jericho weiterzogen und mit ihren Trompeten die Mauern der ältesten Stadt der Welt zum Einsturz brachten?
Amman
An der Allenby-Brücke sind Sie weniger als 50 km von der Landeshauptstadt entfernt. Wie in allen orientalischen Städten, die einen beeindruckenden Aufschwung erlebten, ist auch in Amman nur wenig aus ferner Vergangenheit erhalten, obgleich hier schon zur Jungsteinzeit Menschen lebten - und das liegt mehrere Jahrtausende zurück. Während des ganzen Altertums und noch im Mittelalter hielt die Triebkraft des Ortes an, aber erst mit der Gründung von Transjordanien 1921 setzte eine gewisse Wiedergeburt ein.
Um Spuren der Vergangenheit inmitten der hektischen Stadtsanierung aufzuspüren, sollten Sie zunächst zur Zitadelle hinaufsteigen, die auf der Akropolis des antiken Philadelphia errichtet wurde; aber diese Stätte spielte sicherlich bereits viel früher eine Rolle. Von hier aus reicht der Blick auch auf das Theater, das noch immer für Aufführungen benutzt wird.
Aufschlussreich ist vor allem das Archäologische Museum mit Zeugnissen untergegangener Kulturen, wie etwa den Handschriften vom Toten Meer; diese Schriftrollen wurden 1948 in Qumran am Ufer dieses Meeres entdeckt. Es handelt sich dabei natürlich um »Kopien von Kopien«; die Originale stammen aus dem Beginn der christlichen Zeit (um das Jahr 70) und stellen in ihrer Art die ältesten Aufzeichnungen des Alten Testaments dar.
Rund 30 km nordwestlich der Landeshauptstadt können Sie angenehme Stunden bei einem Bummel durch die Straßen von Salt verbringen. Der Ort war bereits zu osmanischer Zeit ein recht reges Verwaltungszentrum, als Amman noch ein bescheidenes Dorf war. Nach dem 1. Weltkrieg wurde es jedoch still um Salt, das dadurch der Verstädterung entging.
Ein anziehendes Aus?ugsziel bildet das nicht weit von Salt entfernte Tal Wadi es-Sir; Sie ?nden hier viele Grotten und einen antiken Aquädukt. Besondere Aufmerksamkeit verdient jedoch der Palast Iraq el-Amir. Dieses Gebäude aus dem 2. Jh. v. Chr. stürzte 362 bei einem Erdbeben ein; dank der Hartnäckigkeit eines französischen Archäologen wurde es von einem französisch-jordanischen Team Stein für Stein wiederaufgebaut.
Der Norden
Neben Petra bildet Jerash eine der großen Überraschungen jeder Jordanienreise. Dort wurde im 19. Jh. eine römische Siedlung entdeckt, die der Sand vor der Zeit und den Menschen bewahrte.
Hinter der Stadtmauer, von der wenig erhalten ist, können Sie in aller Muße eine klassische römische Stadt aus den ersten Jahrhunderten christlicher Zeitrechnung besichtigen. Das antike Gerasa, das eine Zeit lang von den Omaijaden besetzt war, wurde im 8. Jh. aufgegeben. Die Hauptachsen bildeten der cardo maximus (Nord - Süd) und der decumanus (Ost - West); diese beiden Straßen kreuzten sich rechtwinklig in Höhe des Süd-Tetrapylon, eines Tores mit vier Öffnungen auf vier verschiedenen Fundamenten. Ganz in der Nähe befindet sich der Artemis-Tempel, der bedeutendste Bau von Jerash; während der ersten Jahrhunderte wurde er als Steinbruch benutzt. An den Wall im Süden lehnt sich das Theater, in dem 5000 Zuschauer Platz fanden - ein Beweis für die wichtige Rolle, die die Tragödie in der Antike spielte. Ein zweites Theater im Norden ist verfallen. Natürlich fehlen auch die öffentlichen Einrichtungen wie Forum, Geschäftsgebäude und Thermen nicht. Im Hippodrom außerhalb der Mauern konnten bis zu 15000 Römer die Wettkämpfe der Athleten und die Pferderennen mitverfolgen.
An die zehn Kirchen und eine Kathedrale, aber auch eine Synagoge und eine Moschee zeugen vom regen Glaubensleben der an dieser Stätte aufeinanderfolgenden Bevölkerungen, und außerdem vom Geist der Toleranz - der das Heilige Land seit Langem verlassen hat.
Rund 20 km westlich von Jerash ist in der Ortschaft Ajlun ein schönes Beispiel arabischer Militärbaukunst: Hoch oben auf einem Hügel erhebt sich die Festung Qala?at ar-Rabad, die Izz ad-Din Usama, ein Verwandter Saladins, 1184 anlegen ließ, um die Mekkapilger zu schützen und der Kreuzritterburg Belvoir auf der anderen Seite des Tals die Stirn zu bieten. Spätere Herrscher erweiterten die Festung sicherheitshalber mit zusätzlichen Bastionen, einem neuen Tor und einem Graben. 1260 wurde die Burg von den Mongolen teilweise zerstört, dann aber von den Mamelucken unter Sultan Baybars wieder aufgebaut. Die Osmanen verwendeten sie als Verwaltungszentrum, bevor sie sie einer arabischen Familie überließen. Johann Ludwig Burckhardt hatte die Ruine 1812 besucht, noch bevor er das alte Petra wieder entdeckte.
Anschließend geht es auf dieser Reiseroute wieder in Richtung Jordantal zur Besichtigung der Ruinen von Pella, die sich nördlich von Ajlun in einem wasserreichen Tal nahe dem Dorf Tabaqat Fahl befinden. Bei Ausgrabungen stieß man hier auf menschliche Spuren, die auf die Steinzeit (um 5000 v. Chr.) zurückreichen.
Seine Blütezeit erlebte Pella während der griechisch-römischen Epoche und später unter byzantinischer Herrschaft. Es war eine der größeren Städte der von Alexander dem Großen und seinen Nachfolgern ins Leben gerufenen Dekapolis, des »Zehn-Städte-Bundes«.
Schwere Schäden, wenn nicht die völlige Zerstörung, verursachte ein Erdbeben im Jahr 747. Trotz allem blieb die Stätte zum Teil bis ins 14. Jh. bewohnt.
Am besten sichtbar sind Reste frühchristlicher Kirchen, einer byzantinischen Basilika aus dem 5. Jh. mit Prunktreppe und einer Moschee aus der Mameluckenzeit. Von der einstigen Römerstadt ist das kleine Odeon am besten erhalten geblieben. Außerdem findet man in Pella prähistorische Gräber und Spuren aus der Bronzezeit. Dass man in der Antike eine Schwäche für Thermalkuren hatte, bezeugen die Bäder am Wadi al-Jirm, einer Quelle, deren Wasser noch heute gute Dienste tut.
Die Reise endet im äußersten Nordwesten des Landes mit dem Besuch von Umm Qais am Dreiländereck von Jordanien, Syrien und Israel. Umm Qais liegt an der Stelle des antiken Gadara (das wie Pella zur Dekapolis zählte). Dieser Ort, der im 1. Jh. v. Chr. zur Provincia Syria gehörte, erfreute sich eines gewissen Wohlstands, den er hauptsächlich seiner Lage am Weg nach Damaskus verdankte.
Genießen Sie von der Caféterrasse des Resthouse am Eingang der Ausgrabungsfelder die Aussicht. Der außergewöhnlich schöne Rundblick öffnet sich zu den Golanhöhen über den See Genezareth und bis zum Jordantal in der Ferne.
Die Überreste der Siedlung, die alle aus römischer Zeit datieren, liegen recht verwahrlost da. Sehenswert sind jedoch das Theater, zu dem eine römische Straße führt, und die Säulenstraße, die vermutlich die Geschäftsader der Stadt war.
Liebhaber von Pferderennen entdecken sicherlich die Spuren, die zum Hippodrom führen - selbst wenn kaum etwas davon erhalten ist. Das kleine Museum im Haus eines osmanischen Händlers aus dem 19. Jh. ist recht interessant; hier sind zahlreiche Objekte ausgestellt, die an Ort und Stelle und in der Umgebung ausgegraben wurden, darunter ein prachtvolles byzantinisches Mosaik aus dem 4. Jh., Keramik, Glas und Skulpturen.
Falls Ihnen noch ein wenig Zeit bleibt, können Sie sich die Thermen von Al-Hemma anschauen. Diese von üppiger Vegetation umgebenen Anlagen sind ein weiterer Beweis dafür, dass die Römer auch fern der Heimat nicht auf ihre geliebten Bäder verzichten mochten.
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