Jemen
Land der Königin von Saba
Der Jemen liegt in jenem Teil der arabischen Halbinsel, den die Römer Arabia felix, »glückliches Arabien«, nannten - wegen des Ackerlands und des Reichtums, den es durch die Ausfuhr von Weihrauch und Myrrhe in die antike Welt erlangte. Bilkis, die Königin von Saba, herrschte hier um 1000 v. Chr., und das Buch der Könige im Alten Testament berichtet von reichen Gaben, die sie beim Besuch des Hofes von König Salomo mitbrachte.
Während des größten Teils seiner Geschichte war das Gebiet ein Mosaik von Königreichen und Sultanaten, die sich gelegentlich befehdeten. Daraus gingen schließlich nach 1960 zwei neue Staaten hervor: die Arabische Republik Jemen (Nordjemen) und die Demokratische Volksrepublik Jemen (Südjemen). Die beiden vereinigten sich 1990 zur »Republik Jemen« mit einer Gesamtfläche von 530 000 km2. Die Hauptstadt ist Sanaa.
Die Bevölkerung - Schätzungen zufolge 21,8 Millionen - gehört fast ausnahmslos dem Islam an: Mehrheitlich handelt es sich dabei um Sunniten und Zaiditen (eine den Schiiten zugehörige Sekte); außerdem gibt es jüdische, christliche und hinduistische Minderheiten.
Die Jemeniten leben in Großfamilien, wobei die Aufgaben von Mann und Frau streng getrennt sind. Die Männer treten vor allem im öffentlichen Leben auf, während die Frauen für Haus und Familie zuständig sind. Doch nehmen auch die Frauen in der Gesellschaft eine durchaus einflussreiche Position ein; immer mehr zeigen sich unverschleiert und gehen einer bezahlten Arbeit außer Haus nach. Vielehen sind im Jemen erlaubt, kommen aber - vorwiegend aus wirtschaftlichen Gründen - nur äußerst selten vor.
Der Süden des Landes, der das zwischen 1839 und 1967 von Großbritannien kontrollierte Gebiet umfasst, verfügte zu Beginn seiner Unabhängigkeit über fast keine Industrie außer in Aden am Zugang zum Sueskanal. Ein schwerer Schlag für diesen Hafen - und für das ganze Land - war die Schließung des Kanals nach dem ägyptisch-israelischen Krieg, doch inzwischen hat er seine Bedeutung für die internationale Schifffahrt wiedererlangt.
Die bedeutendste Einnahmequelle des Jemens ist der Export von Erdöl und Erdölderivaten. Seit der Wiedervereinigung des Landes 1990 entwickelte sich der Tourismus zum zweitwichtigsten Wirtschaftszweig, wenn auch der Bürgerkrieg von 1994 und wiederholte Entführungen von Touristen bis vor kurzer Zeit Rückschläge brachten.
Hinter der Fassade einer sich entwickelnden Nation verbirgt sich streng gehüteter Traditionalismus. Jemenitische Männer tragen oft einen Rock (futa) oder ein weitärmeliges Gewand. Als Kopfbedeckung dient ein steifes Käppchen, darüber wird manchmal ein Turban drapiert. Der Krummdolch (djambiya) ist sowohl Waffe als auch Symbol der Männlichkeit.
In Aden tragen Frauen oft europäische Kleidung oder einen körperverhüllenden schwarzen shaider. Auf dem Land lieben sie es farbenfroher, häufig mit bestickten Jacken und Röcken über langen pluderigen Hosen. Gesichtsschleier gehören zum Alltag. Außerdem sieht man vor allem im Gebiet des Hadramaut Bäuerinnen mit hohen Strohhüten.
Alles in allem ist der Jemen eine faszinierende Mischung aus geschäftigen modernen Häfen und, im Landesinnern, Städten und Dörfern, in denen man noch wie vor Jahrhunderten lebt.
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