Jemen
Sehenswürdigkeiten
Die geografische Lage der Republik Jemen beschert dem Land fruchtbare Hochebenen mit gemäßigtem Klima, auf denen Getreide und Obst gedeihen, ebenso wie subtropische Küstenstreifen; bezaubert ist man überall, ob bei einem Besuch in den Gebieten der Nomadenstämme im Norden oder beim Rundgang durch eines der modernen städtischen Ballungszentren mit einem labyrinthartigen Altstadtkern.
Aden
Der erste Blick vom Meer her fällt auf den imposanten dunklen Felsen des Jabal Shamsan, an dessen Fuß sich Aden schmiegt.
Die Stadt selbst ist in mehrere Bezirke unterteilt. Der Passagierhafen liegt in Steamer Point, dem heutigen Tawahi. Die Eleganz des berühmten Crescent Hotel hier ist zwar mit dem Abzug der Briten verblasst, aber ein Hauch von Kolonialpracht ist geblieben.
Die Geschichte des Landes wird im Nationalmuseum lebendig. Zu seinen Schätzen zählt eine Gruppe Alabasterstatuen in halber Lebensgröße, die bei Ausgrabungen in verschiedenen Städten des Ausan-Königreichs, eines Rivalen von Saba, gefunden wurden.
Maala ist ein Dock- und Industrieviertel auf dem Weg nach Crater, einem auf drei Seiten von kahlen Kraterwänden umschlossenen Stadtteil. Zwischen modernen Büro- und Wohnbauten behaupten sich dort noch immer einige alte, durchaus sehenswerte Häuser. Ein lohnendes Besuchsziel sind die 18 ungewöhnlichen At-Tawila-Zisternen am Shamsan, in denen man das herabströmende Bergwasser auffing. Sie wurden vermutlich im 1. Jh. von den Himjariten angelegt. Das Ethnografische Museum im Garten, der zu der Anlage gehört, zeigt Webereien, Silberarbeiten und Dolche.
Zeit sollte man sich ebenfalls für die Al-Aidrus-Moschee und ein Bauwerk nehmen, das man einfach das »Minarett« nennt. Es war wohl Teil einer alten Seldschuken-Moschee, wurde jedoch im 18. Jh. restauriert.
Die interessanteste der vielen Festungsanlagen liegt auf der Felseninsel Sira, die zum Badeort der Einheimischen wurde. Am Gold-Mohur-Strand auf der Südwestseite der Halbinsel erheben sich ein Leuchtturm und ein befestigter Hügel mit alten türkischen Kanonen.
Taizz
Von Aden aus nach Norden führt eine der Straßen durch Taizz, eine einstige Hauptstadt des Jemens. Es liegt auf 1400 m in den Ausläufern des Jabal Sabir, und die Temperaturen sind hier weitaus erträglicher als in den Küstenstädten. Ein besonderes Erlebnis ist der lebhafte Markt an der Nordmauer der Altstadt, auf dem man in zweierlei Hinsicht bemerkenswerte Frauen sieht: Sie sind unverschleiert und zudem hartnäckige Händlerinnen. Hoch auf einem Felsen überragt die Kairo-Festung die Stadt; sie dient militärischen Zwecken und ist daher nicht zu besichtigen. Umschauen darf man sich hingegen im Nationalmuseum, dem einstigen Palast des Imams Ahmad, in dem alles wie bei dessen Tod 1962 belassen wurde - wohl als Erinnerung an die soziale Ungerechtigkeit seiner Herrschaft. Auch der Salah-Palast, jetzt ebenfalls ein Museum, gehörte dem Imam.
Zabid
Zabid zählt zu den ältesten Städten des Jemens. Seine Universität stammt aus dem 9. Jh.; sie beansprucht für sich den Ruhm, dass die Algebra hier geschaffen wurde. Heute ist ihre Bedeutung weit geringer, aber vom 13. bis zum 15. Jh. war Zabid der Mittelpunkt sunnitischer Gelehrsamkeit für den südlichen Teil der arabischen Welt, und in der Stadt gab es 236 Moscheen. Hauptanziehungspunkte sind jetzt der ummauerte Suk, ein paar große Häuser - außen unauffällig, aber innen prachtvoll ausgestaltet - und die Zitadelle mit dem alten Gouverneurspalast.
Al-Hudayda (Hodeida)
Diese Stadt ist der Mittelpunkt des Tihama genannten Landesteils mit dem Küstenstreifen am Roten Meer. Die heißen, sanddurchwehten Ebenen mit überwiegend schwarzer Bevölkerung bilden einen starken Kontrast zu dem kühleren Hochland mit seinen semitischen Bewohnern. Die dunkle Hautfarbe rührt von Sklaverei und Zuwanderung aus Ostafrika her. Tihama, die wirtschaftlich bedeutendste Region des Jemens, liefert nahezu die Hälfte der landwirtschaftlichen Produkte.
Hodeida ist eine relativ junge Stadt. Erst Mitte des 19. Jh. nahmen die Türken den Ausbau des Hafens vor - als Antwort auf das britische Aden. 1934 gelüstete es Saudi-Arabien nach Tihama, doch nach den Scharmützeln in jenem Jahr konnte sich Hodeida in Ruhe entfalten. Seit der Vereinigung der beiden Jemen ist es der zweitwichtigste Hafen des Landes.
Ein Bummel durch den ältesten Teil der Stadt in der Nähe des Marktes lohnt sich. Die typischen Häuser dieser Gegend am Roten Meer haben drei oder vier Stockwerke, hölzerne Balkone, Fenstergitter in türkischem Stil und mit Stuck geschmückte Außenmauern. Manchmal sieht man auch indische Verzierungen - ausgeführt von Handwerkern, die den Seeleuten und Händlern an diese Küste folgten.
Doch viel mehr hat Hodeida nicht zu bieten. Touristische Bedeutung kommt der Stadt eher als Durchgangsstation zu sehenswerteren Orten zu. Nach etwa einer Stunde auf der Straße in südlicher Richtung kommt man beispielsweise nach Bayt al-Fakih mit seinem berühmten Freitagsmarkt, der im frühen 18. Jh. als Kaffeeumschlagplatz gegründet wurde und Scharen von Besuchern aus nah und fern anlockt.
Das Wort »Mokka« ist übrigens vom Namen des weiter südlich gelegenen Hafens Al-Makha - oder eben Mokka - abgeleitet, wo bereits im 17. Jh. Händler die braunen Bohnen ausführten.
Sanaa
Für all jene, welche die 2350 m hoch gelegene »Perle Arabiens« und Hauptstadt des Jemens mit eigenen Augen gesehen haben, ist es keineswegs verwunderlich, dass die UNESCO sie 1984 zum Schutz der märchenhaften Architektur unter ihren Schutz stellte. Die große Ansammlung ockerfarbener Lehmziegel-Hochhäuser mit kunstvollen Verzierungen aus Stuck und Alabaster und Buntglasfenstern gehört zu den größten Sehenswürdigkeiten der Erde.
Nach jemenitischer Überlieferung wurde Sanaa von Noahs Sohn Sem gegründet. Zur Zeit der Sabäer und Himjariten soll es in der Stadt auch einen wunderbaren 20-stöckigen Palast und eine großartige Kathedrale gegeben haben, zu der Christen aus ganz Arabien pilgerten, doch ist von diesen Bauten nichts mehr zu sehen. Nach der Einführung des Islams wechselten Sanaas Ge-schicke zwischen Wohlstand, wenn es die Hauptstadt eines Reichs oder des ganzen Jemens war, und Verwüstung, sobald Sultane sich die Macht streitig machten. Die letzten fremden Herren waren die Türken, die Sanaa von 1872 bis 1912 hielten, nachdem sie es schon im 16. Jh. einmal erobert hatten. Der Bürgerkrieg im Norden nahm 1962 hier seinen Anfang. Nach seiner Beendigung begann sich die Stadt außerhalb der Mauern auszudehnen, und die Einwohnerzahl stieg sprunghaft an. Heute zählt das quirlige Sanaa schätzungsweise 1,8 Millionen Einwohner.
Innerhalb der modernen Stadt liegt die Medina, eine der größten ganz erhaltenen ummauerten Städte der arabischen Welt. Erkunden Sie zumindest den Ostteil, denn hier findet man die eindrucksvollen Turmhäuser. An interessanten Motiven mangelt es wahrlich nicht, wenn man zwischen den fotogenen Stadtburgen, Moscheen und Suks umherbummelt. Beachtung verdienen auch die vielen türkischen Badehäuser (hammam). Wer Glück hat, erhascht einen Blick in einen der an Privathäuser und Moscheen angrenzenden friedvollen Gärten. Der Westteil der Medina mit überwiegend neueren Gebäuden ist für Besucher weniger interessant, doch auch dort stehen noch schöne alte Häuser, die ehemaligen Botschaften und das frühere Judenviertel.
Bab al-Yaman (Tor zum Jemen) heißt die Lücke in der Stadtmauer im Südwestteil der Medina. Auf dem Platz vor dem Tor herrscht zu jeder Tageszeit reges Leben.
Der Suk al-Milh, der größte städtische Markt im Jemen, beginnt an diesem Tor und zieht sich innerhalb der Medina über einen halben Kilometer nach Norden hin. Er ist in ungefähr 40 Bereiche unterteilt, die jeweils auf bestimmte Waren spezialisiert sind.
Im Osten, außerhalb der Medina, liegt der Suk al-Kat, auf dem hauptsächlich Katbüschel angeboten werden.
Der Suk al-Milh windet sich an der Großen Moschee vorbei, die um das Jahr 630 noch zu Lebzeiten des Propheten Mohammed errichtet wurde. Sie zählt zu den bedeutendsten der islamischen Geschichte. Ins reich verzierte Innere werden nur muslimische Gläubige eingelassen.
Zumindest von außen betrachten kann man viele Moscheen in Sanaa, wie etwa die Al-Akil-Moschee, deren schönes Minarett den Stadtmarkt überragt. Man kann auch im östlichsten Bereich der Medina aus einiger Entfernung die Kubbat al-Bakiliya in der Al-Likiya-Straße bewundern. Diese Gebetsstätte stammt aus dem 16. Jh., als die Türken zum ersten Mal den Jemen besetzten - davon zeugen noch immer ihre zahlreichen Kuppeln.
Das vor nicht allzu langer Zeit renovierte und neu eröffnete Nationalmuseum gewährt einen guten Überblick über die Geschichte des Jemens von alten Königreichen wie Saba bis zu jenen in der islamischen Periode. Die Ausstellung umfasst unter anderem Münzen, Papyrusfragmente, Waffen und Statuen.
Mahrib
Mahrib war die Hauptstadt des legendären Königreichs Saba. Es liegt östlich von Sanaa an der alten Weihrauchstraße und erlangte seinen Wohlstand durch den Wegzoll, den man von durchziehenden Karawanen erhob. Der 15 m hohe Staudamm, der hier im 8. Jh. v. Chr. zur Bewässerung von Getreidefeldern und Palmenoasen gebaut wurde, war in jenen Tagen eine technische Glanzleistung; 570 n. Chr. brach er zusammen. (Einen Staudamm aus neuster Zeit sehen Sie jetzt 3 km talaufwärts.)
Besuchen Sie die archäologischen Stätten mit Resten von Sabäertempeln und den Ruinen der Schleusentore des einstigen Damms. Der alte Ort auf einem Hügel außerhalb der neuen Stadt besteht nur noch aus größtenteils leerstehenden Lehmhochhäusern, in deren Fundamente Steine mit Inschriften und Ornamenten aus frühzeitlichen Baudenkmälern eingelassen sind.
Östlich von Mahrib
Bevor Sie nun hinunter nach Makalla fahren, sollten Sie unbedingt das Wadi Hadramaut besuchen, eine der Hauptsehenswürdigkeiten des Landes. Das größte Flusstal Arabiens erstreckt sich mit seinen fruchtbaren grünen Ufern 160 km weit parallel zur Küste durch öde, steinige Hochebenen. Hier führte einst die Weihrauchstraße durch - das Räucherharz wurde auch im Wadi selbst gewonnen - , und kunstvolle Bewässerungssysteme ließen das Trockental aufblühen.
Hier entstanden die ersten Hochhäuser des Jemens. In Shibam sieht man diese Bauten aus Lehmziegeln in höchster Vollendung. Da stehen dicht an dicht, bis 30 m hoch, rund 500 »Wolkenkratzer« - was der Stadt den Übernamen »Manhattan der Wüste« eintrug. Wie Sanaa steht auch die Altstadt von Shibam unter dem Schutz der UNESCO. Bummeln Sie von Ziegen begleitet durch die Gassen, und fotografieren Sie die Stadt bei Sonnenuntergang von den Felsen im Süden aus.
Weiter östlich im Wadi liegt Sayun, die größte Stadt des Tals. Bis zur Revolution von 1967 war sie 500 Jahre lang Hauptstadt eines nordjemenitischen Stammes, der einige der schönsten Moscheen des ganzen Landes errichtete. Überragt wird die »Stadt mit einer Million Palmen« vom fantastischen weiß getünchten Sultanspalast. Das Archäologie- und Volkskundemuseum nimmt darin nur einen Teil des riesigen Bauwerks ein. Auffallend ist auch das Habshi-Grabmal in seiner türkisfarbenen Pracht, aber es stammt erst vom Beginn des 20. Jh.
Tarim war jahrhundertelang ein bedeutendes Zentrum islamischer Lehre; davon zeugen 365 Moscheen. Das 50 m hohe rechteckige Minarett von Al-Muhdar, der berühmtesten Gebetsstätte, ist das Wahrzeichen des Wadis. Charakteristisch für die Stadt sind auch die großen Paläste in »südostasiatischem Barock«, die sich zu Reichtum gelangte Rückwanderer aus Java und Singapur seit dem 19. Jh. hier erbauen ließen.
Al-Mukalla (Makalla)
Die Hauptstadt der im Osten liegenden größten Provinz des Jemens ist ein reicher Hafen und ein Fischereizentrum am Golf von Aden. Ein hübscher Anblick am Ufer sind die weißen Häuser mit geschnitzten Fensterläden und Balkonen und türkisfarbenen Verzierungen. Bei einem Rundgang durch die Altstadt ist die stattliche Rawdha-Moschee bemerkenswert, eine der ansehnlichsten unter den vielen schönen Andachtsstätten.
Das Makalla-Museum ist im ehemaligen Sultanspalast untergebracht, mit herrlichem Blick auf die Bucht. In dem renovierten Gebäude sind Gegenstände aus Volkstum und Frühgeschichte der Gegend ausgestellt.
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