Ägypten
Sehenswürdigkeiten
Halbinsel Sinai
Stets war die Sinai-Halbinsel Brücke, aber auch Grenze zwischen Ägypten und Israel. Heute existieren hier die Spuren von Geschichte und biblischer Überlieferung friedlich neben einladenden Badeorten.
Sharm el-Sheikh
Bis 1967 war Sharm el-Sheikh nur ein Grenzposten. Dann entdeckte man das touristische Potenzial des Orts, der heute einen Flughafen, Hotels und Sportanlagen besitzt. Nun genießen Besucher die Sonne, die herrlichen Strände und das vielfältige Unterwasserparadies.
Die Stadt besteht aus dem Verwaltungszentrum mit breiten Straßen und Parks auf einer Klippe über dem Hafen und dem 7 km nördlich gelegenen Seebad Naama. Das klare türkisfarbene Wasser, die malerischen Sandbuchten und das Sinaigebirge im Hintergrund sind ein beliebtes Motiv für Maler und Fotografen - besonders bei Sonnenaufgang und -untergang. Ein unvergessliches Erlebnis ist hier ein Abend unter dem von Sternen übersäten Wüstenhimmel.
In dieser kargen Gegend zeigt sich das Leben unter Wasser viel farbenfroher als am Land, und Schnorcheln und Tauchen gehören zu den Hauptattraktionen. Es gibt diverse Wassersportzentren, wo man Lektionen nehmen, Touren machen und Ausrüstungen leihen kann. Das Korallenriff und die Meeresfauna und -flora zählen zu den schönsten der Welt - vergleichbar mit Australiens Great Barrier Reef. Im kristallklaren Wasser reicht der Blick weit in die Tiefe, und zwischen den Korallen tummeln sich neben Tausenden von Seeanemonen und Seesternen leuchtend bunte Fische aller Art.
Ras Muhammad, die Südspitze der Halbinsel Sinai, wo sich das Rote Meer in den Golf von Aqaba und den Golf von Sues teilt, ist ein Nationalpark. Schnorchler und Taucher treffen hier auf über 1000 Fischarten, rund 150 verschiedene Korallen und zwischen 75000 und 20 Millionen Jahre alte Meeresfossilien. Über die besten Buchten und Aussichtspunkte auf der Klippe geben die Parkaufseher Auskunft. Wer lieber auf feinem Sand in seichtem Wasser watet, erblickt vielleicht einen Papageifisch. Ebenso farbig sind die schmalen Schmetterlingsfische, die sich durch das Korallenriff schlängeln. Oft sieht man auch blaugelbe Kaiserfische und stachelige Kugelfische. Zudem gibt es in Ras Muhammad grüne, Leder- und Echte Karettschildkröten.
Katharinenkloster
Das festungsartige Kloster, auf 1570 m Höhe am Fuße des Dschebel Musa gelegen, steht angeblich an der Stelle, wo Moses sein Erlebnis mit dem brennenden Dornbusch hatte. Seinen Namen hat das Kloster von der hl. Katharina von Alexandria. Kaiser Justinian gründete es im 6. Jh., aber bereits im 3. Jh. lebten hier Einsiedler in einer Klause. Die Klosteranlage beherbergte zeitweise über 400 Mönche aller christlichen Glaubensrichtungen.
Vom Eingang neben dem runden Doppelturm geht es zunächst zur Basilika (6. Jh.) mit zwei Toren aus Zedernholz und wundervollen Ikonen, Gemälden und Mosaiken. Als größtes Kunstwerk werden in der Kirche die Mosaiken aus dem 6. Jh. gehütet. Hinter der Apsis liegt die Kapelle des Busches, aus dem Moses die Stimme Gottes vernahm. Die Stelle kennzeichnet ein mit Silbermedaillons und Ikonen geschmückter Altar.
Der dreistöckige Glockenturm wurde dem Kloster im 19. Jh. von der russisch-orthodoxen Kirche geschenkt. Den Befestigungsmauern entlang liegen Wohn- und Empfangsräume und davon durch ein altes Tor getrennt die Gästeflügel, Bibliothek, Galerie, Schutzräume, Vorratskammer und Haushaltsgebäude.
Zum Besuch des Katharinenklosters gehört der Aufstieg auf den Berg Sinai. Die Gelehrten sind sich nicht einig, ob es der Dschebel Musa, der 2285 m hohe Mosesberg, oder der nahe gelegene Dschebel Katherin war, wo Moses laut Bibel die Zehn Gebote empfing.
Rotes Meer und Oberägypten
Die Benennung des Roten Meeres erklärt sich aus dem Vorkommen einer Blutalge zu bestimmten Jahreszeiten, und von biblischer Geschichte einmal abgesehen, ist es an sich schon eine Touristenattraktion. Subtropisches Klima und angenehme Wassertemperaturen von etwa 20 °C im Winter und bis zu 26 °C im Sommer locken die Urlauber rund ums Jahr an. Goldene, feinsandige Strände säumen seichtes, klares Wasser voller bunter Fische in den Korallenriffen - ein Taucher- und Schnorchlerparadies, in dem die Sicht normalerweise mehr als 30 m tief reicht.
Die Kleinstadt Port Safaga, das Handelszentrum der Gegend, dient gleichzeitig als Sprungbrett zu den luxuriösen neuen Badeorten, die sich entlang der Küste ausbreiten.
Zur Erholung von anstrengenden Besichtigungen oder zu sportlicher Betätigung (Segeln, Wasserski, Windsurfen, Tauchen, Schnorcheln) emp?ehlt sich das 400 km südlich von Sues gelegene Hurghadamit seinen Stränden aus feinem weißem Sand. Die Erschließung des Ortes setzte in den 80er-Jahren ein, und heute bieten hier Feriendörfer und erstklassige Hotels ausgezeichnete Wassersportmöglichkeiten. Außerdem werden Safaris mit Jeeps und Kamelen in die Wüste veranstaltet.
Im Basar der Stadt ?nden Sie eine große Auswahl an Kleidern, Schmuck und anderen Handarbeiten der Beduinen. Und bevor Sie sich zu den prachtvollen Fischen im Roten Meer gesellen, können Sie sich diese im Aquarium mit angeschlossenem Museum anschauen.
El Gouna, 20 km nördlich von Hurghada, ist ein Ferienort, der modernsten Komfort mit traditioneller arabischer Architektur verbindet und in dem sich Taucher und Golfer ebenso wie Familien mit Kindern wohl fühlen. Auf den natürlichen und künstlichen Lagunen, um die sich die Hotels und Villen ausbreiten, verkehren Boote und Wasserbusse.
Auch das verträumte Hafenstädtchen Kuseir 120 km weiter südlich verfügt über hervorragende Wassersporteinrichtungen und zahlreiche herrliche Strände. Von hier stachen einst die Schiffe der Königin Hatschepsut zu ihrer Expedition nach Punt (Somalien) in See.
Für Abwechslung sorgen Aus?üge zu abgelegenen Inseln, römischen Lagern im Landesinnern, koptischen Klöstern und den Tempeln von Luxor.
Luxor und Karnak
Die hübsche Kleinstadt Luxor am Nil entstand an der Stelle des alten Theben, der Hauptstadt Ägyptens während des Neuen Reichs (1550 - 1070 v. Chr.).
Ihren Rundgang beginnen Sie am besten mit dem Tempel von Luxor. Amenophis III. (18. Dynastie) ließ ihn auf der Stätte eines früheren Heiligtums errichten, und Ramses II. (19. Dynastie) ergänzte ihn mit sechs riesigen, ihn selbst darstellenden Statuen. Vor dem großen Pylon (Toranlage) steht bloß noch einer der beiden Obelisken; der andre, den Mohammed Ali 1831 Frankreich schenkte, ziert heute die Place de la Concorde in Paris.
3 km weiter nördlich steht man dem gewaltigsten Heiligtum der Pharaonenzeit gegenüber, dem Tempel von Karnak. Der Große Amun-Tempel, begonnen im Mittleren Reich, wurde bis zur Römerzeit 1200 Jahre lang je nach Geschmack der Könige verändert und vergrößert. Der wuchtige erste Pylon wurde zuletzt erbaut: Er sollte die Geschichte der Ptolemäer-Dynastie verewigen, blieb jedoch unvollendet.
Durch den zweiten Pylon, gut bewacht von Kolossalstatuen Ramses? II., gelangen Sie in den Großen Säulensaal, der gigantisch in seinen Ausmaßen, aber harmonisch in seinen Proportionen ist; ganz oben an den Riesensäulen sind noch Reste der ursprünglichen Bemalung zu entdecken.
Den dritten Pylon ließ Amenophis III. gegen 1400 v. Chr. bauen. Der vierte und der fünfte Pylon, gegen 1525 v. Chr. von Thutmosis I. errichtet, gehören zum ältesten Tempelbezirk. Hinter dem sechsten Pylon liegt das Allerheiligste aus Granit, in dem die heiligen Barken aufbewahrt wurden. Auf dem Heiligen See außerhalb des Tempels werden abends Ton- und Lichtvorführungen veranstaltet.
Totenstadt von Theben
Während in Theben zwischen den beiden großen Tempeln reges Leben herrschte, hatten die Toten ihre eigene riesige Stadt in den Tälern gegenüber am Westufer des Nils. Gleich bei Antritt seiner Herrschaft begann jeder Pharao mit dem Bau seines Grabes; starb er, ehe es fertig war, wurde er in der unvollendeten Grabstätte beigesetzt, und die besten Handwerker und Künstler des Landes machten sich umgehend am Grabmal seines Nachfolgers an die Arbeit.
Im Tal der Könige entging von diesen Begräbnispalästen einzig das verhältnismäßig kleine, bescheidene Grab des Tutenchamun der Plünderung. Es wurde 1922 unversehrt entdeckt, und seither bildet die Goldmaske (nebst all den anderen Schätzen) das Glanzstück des Ägyptischen Museums in Kairo.
Viele der Grabstätten im Tal der Könige und in anderen Teilen der Totenstadt sind - zuweilen vorübergehend - geschlossen. Zu den schönsten, die man besichtigen kann, gehört das Grab Ramses? III. (Nr. 11), dessen Wandmalereien Szenen aus dem Alltag darstellen. Zu den herrlichen Reliefs in der Grabkammer mit dem SarkophagAmenophis? II. (Nr. 35) geht es über 90 Stufen tief hinab. Steil ist dagegen der Aufstieg zum Eingang der besonders schönen, höhlenartigen Grabkammer Thutmosis? III. (Nr. 34) mit dem roten Sandsteinsarg.
Der Tempel der Hatschepsutin Deir el-Bahari ist mit seinen drei Terrassen halb in den Felshang hineingebaut. Die brillante, willensstarke und schöne Königin führte 22 Jahre lang die Regentschaft für ihren Stiefsohn Thutmosis III.; sie trug sogar den stilisierten Bart der Pharaonen. Als Thutmosis schließlich den Thron bestieg, tat er alles, um sie zu vergessen, und ließ deshalb auch ihren Namen überall ausmeißeln. Die freundliche Göttin Hathor, gewöhnlich mit einem Kuhkopf oder einer Hörnerkrone dargestellt, hat hier einen Ehrenplatz; sie symbolisierte die Liebe, und die Decke der ihr geweihten Kapelle ist mit einem sternenübersäten Himmel ausgeschmückt.
Auf dem Weg zum Tal der Königinnen, der letzten Ruhestätte der königlichen Frauen und Kinder, lohnt die als Ramesseum bekannte gigantische Ansammlung von Palästen und Tempeln einen Besuch. Dieses Werk Ramses? II. (1290 - 1224 v. Chr.) mit wuchtigen Säulen und riesigen Statuen seiner Wenigkeit entschädigt für sein etwas enttäuschendes Grab im Tal der Könige. Die kolossalste Granit?gur des Herrschers, die über 1000 t gewogen hat, liegt zerbrochen am Boden.
Das Tal der Königinnennimmt den südlichsten Teil der Nekropole von Theben ein. Die meisten Gräber sind in schlechtem Zustand, einige meist geschlossen. Schauen Sie sich wenn möglich dasGrab der Königin Nefertari an, der Gemahlin des »Baumeisters« Ramses II.; nach langer Restaurierung leuchten nun die sieben Kammern mit ihren bis in alle Einzelheiten fein gestalteten Figuren und Gegenständen wieder im ursprünglichen Glanz.
Zum Nil hin sitzen in einsamer Pracht vor dem Hintergrund aus zerklüfteten Bergen die Memnonkolosse; sie wurden vor mehr als 3000 Jahren aus Stein gehauen, um die hoheitsvolle Gestalt Amenophis? III. zu verewigen.
Nördlich von Luxor
Die Tempel von Abydos stehen 150 km nördlich von Luxor inmitten von Zuckerrohr- und Gerstenfeldern vor den Hügeln der Libyschen Wüste. Das Heiligtum war eine Wallfahrtsstätte, in der Pharaonen und gewöhnliche Sterbliche dem Gott des Jenseits, Osiris, huldigten.
Den Hathortempel von Dendera besucht man am besten auf dem Rückweg von Abydos nach Luxor, um vom Dach aus den Sonnenuntergang zu sehen. Das von den Ptolemäern begonnene und 64 n. Chr. von den Römern vollendete Bauwerk ist einer der am besten erhaltenen Tempel Ägyptens. Reinigungsarbeiten haben hier unglaublich schöne Farben zum Vorschein gebracht.
Im Hof haben korinthische Kapitelle die stilisierten Papyrusblüten als Säulenabschlüsse abgelöst; Hieroglyphen preisen die Kaiser Augustus, Nero und Claudius als Wohltäter des Heiligtums. Die Decke des Säulensaals, wo den ägyptischen Gottheiten Sternzeichen zugeordnet sind - der Löwe für Osiris und die Jungfrau für seine Schwester Isis - dürften vor allem die Astrologen begeistern.
Südlich von Luxor
In Esna, knapp eine Autostunde von Luxor, steht der Tempel des widderköp?gen Gottes Chnum an einer Stelle, die heute 9 m tiefer als die Stadt liegt. Jahrhundertelang hat man auf dieser Stätte und um sie herum Häuser errichtet, und so ist ein Teil des Heiligtums bis heute nicht ausgegraben.
Die eindrucksvolle 24-säulige Halle des Chnum-Tempels wurde von Kaiser Tiberius erbaut; er und andere römische Herrscher ließen sich in den üblichen Posen ägyptischer Pharaonen darstellen - die Feinde des Landes schlagend oder den Gottheiten huldigend. Auf dem P?aster im Hof haben Napoleons Soldaten 1798 ihre Graf?ti hinterlassen.
Ungefähr 50 km weiter südlich ist in Edfu der großartige Horustempel mit seiner mächtigen Toranlage gut erhalten. Die Ptolemäer, die viele Teile von Vorgängerbauten verwendeten, benötigten mehr als 100 Jahre zu seiner Errichtung. Der Horusfalke ist allgegenwärtig, am schönsten in Gestalt einer Statue aus schwarzem Granit im Hof. Auf den Reliefs in den beiden Säulensälen und an den Wänden des Allerheiligsten sind mit dem Tempel verbundene Rituale dargestellt. Während eines Volksfests wurde alljährlich ein Bildnis der Göttin Hathor von Dendera auf eine zweiwöchige Kreuzfahrt nilaufwärts geschickt, damit sie in Edfu ihre Hochzeit mit Horus nachvollziehen konnte.
Das nur 65 km von Assuan entfernte Heiligtum Kom Ombo steht auf einer Anhöhe direkt über dem Nilufer. Die eine Seite des Doppeltempels ist dem Krokodilgott Sobek, die andere dem älteren Horus (Haroeris) geweiht. Er war wohl als eine Stätte der Versöhnung zwischen den Kräften der Finsternis und des Lichts gedacht, denn es gibt zahlreiche Reliefs mit ihren Abbildern. In der Kapelle des Tempels kann man mumifizierte Exemplare der Krokodile besichtigen, die sich hier - vor den Zeiten der Dampfschifffahrt im 19. Jh. - auf einer Sandbank einzufinden pflegten.
Assuan
Der 1971 vollendete Assuan-Hochdamm, Ägyptens gewaltigstes Bauwerk seit den Pyramiden, hat die Fluten des Nils zum riesigen Nasser-See aufgestaut und reguliert den für die Anbau?ächen des Landes so wichtigen Wasserhaushalt. Über die Dammkrone führt eine Straße an einem Elektrizitätswerk vorbei zu einer Plattform in der Mitte mit Blick auf den künstlichen See, der sich mit seinen gut 500 km bis in den Sudan hinein erstreckt. Der Damm ist 111 m hoch und 3600 m lang; mit dem Baumaterial hätte man 17 Cheops-Pyramiden errichten können.
Die Stadt Assuan erweist sich dank ihres milden Klimas vor allem in den Wintermonaten als tref?icher Erholungsort nach einer Besichtigungsreise, und die hiesigen Nubier sind vielleicht die liebenswertesten aller Ägypter. In altägyptischer Sprache bedeutet Assuan »Markt«, und so beginnen Sie Ihren Besuch wohl beim Basar an der Sharia el-Suk (Marktstraße).
Sehenswert ist auch das 1997 eröffnete Nubienmuseum mit 3000 Ausstellungsstücken auf drei Stockwerken. Zu bestaunen sind nebst Fossilien und Felszeichnungen unter anderem ein Monumentalstandbild von Ramses II., Mumien, Grabmalereien und Pharaonenköpfe aus Granit.
Von der Corniche genannten Uferpromenade aus können Sie den Anblick der Feluken und der Inseln im Strom genießen.
Die Isistempel auf der Insel Philae wurden beim Bau des Hochdamms von Ingenieuren und Archäologen vor der Über?utung von ihrer heute im See verschwundenen ursprünglichen Insel gerettet. Die Heiligtümer und Tore umspannen sechs Jahrhunderte von den letzten Pharaonen über die griechischen Ptolemäer bis zu den römischen Kaisern. Isis war bestimmt die beliebteste ägyptische Göttin, und zugleich widerstand sie der Christianisierung durch Rom am längsten, wie Inschriften auf Philae aus dem Jahre 452 beweisen.
Ursprünglich war die Militärgarnison auf der Insel Elephantine wichtiger als die eigentliche Stadt auf dem Festland. Der verfallene Inseltempel war dem Gott Chnum geweiht, dem widderköp?gen Beschützer der Nilquellen. Auf der Insel gibt es zwei sehenswerte Museen, ein neues, hochmodernes sowie das ältere von 1902, in dem unter anderem mumifizierte Widder ausgestellt sind.
Die Kitchener-Insel wurde dem britischen Heerführer des Empire für seine Großtaten im Sudan überlassen. Heute ist sie ein angenehm kühler Garten mit Tropenp?anzen und einem Teehaus für Nachmittagsaus?ügler.
Assuans Steinbrüche hatten für die Baumeister und Bildhauer der Pharaonen die gleiche Bedeutung wie die Marmorbrüche von Carrara für Michelangelo. Der für Baudenkmäler begehrte rosa- und ockerfarbene Granit wurde mit dem ebenfalls hier abgebauten Alabaster für feinere Skulpturen ?ussabwärts nach Luxor, Sakkara und Giseh transportiert. Assuan-Granit ist heute noch für Bürogebäude und Hotels gefragt.
Im Nördlichen Steinbruch können Sie rings um einen riesigen Obelisken klettern, der vor 3500 Jahren halb fertig zurückgelassen wurde, weil er Risse aufwies. Auch im Südlichen Steinbruch ?ndet man unvollendete Werke, unter anderem eine auf dem Rücken liegende Kolossal?gur in Mumienform und Sarkophage, die für die Ptolemäer gedacht waren, aber nie in Alexandria abgeliefert wurden.
Auf einem Hügel am Westufer des Nils, gegenüber der Südspitze der Insel Elephantine, steht das Mausoleum des Aga Khan (1877 - 1957). Dieses märchenhaft reiche Oberhaupt der pakistanischen und ostafrikanischen Ismailiten - eines Zweiges der Schiiten - kam im Winter jeweils nach Assuan, um in dem angenehmen Klima seine Leiden zu lindern. Von der Terrasse der Grabstätte aus erlesenem Sandstein sieht man auf den weißen Palast der Familie und auf die Stadt und die Inseln. Jeden Tag wird eine frische rote Rose auf den Marmorsarkophag in dem imposanten Grabmal gelegt.
Abu Simbel
Unmittelbar an der Grenze zum südlichen Nachbarland Sudan thronen die vier Kolossalstatuen Ramses? II. Diese vielleicht erstaunlichsten aller ägyptischen Monumente wurden im 13. Jh. v. Chr. als Zeichen der Herrschaft des Pharaos über die südlichen Gebiete errichtet. Die von den riesigen Skulpturen bewachten Tempel dienten gleichzeitig als Zwischenlager für das aus Nubien importierte Gold, bevor man es nach Luxor und zum Nildelta hinunter verschiffte. Erst im Jahr 1813 entdeckte der Schweizer Orientreisende Johann Ludwig Burckhardt die jahrhundertelang von Sand bedeckte Anlage wieder.
Die Tempel von Abu Simbel wurden nicht gebaut, sondern aus den Sandsteinhängen des Niltals herausgehauen. Beim Bau des Assuan-Hochdamms wären sie von dem steigenden Wasser des Stausees verschlungen worden, wenn man sie nicht durch eine technische Glanzleistung gerettet hätte: In vierjähriger Arbeit wurden sie in viele Einzelteile zersägt und am neuen Standort 210 m landeinwärts und 65 m weiter oben wieder zusammengesetzt.
Alle vier Kolosse an der Fassade des Großen Tempels zeigen Ramses? II., der sich hier in pharaonischer Anmaßung als Sonnengott mit Blick zur aufgehenden Sonne verewigen ließ. Königliche Insignien sind ein Kopftuch mit der Uräusschlange auf der Stirn, die Doppelkrone der beiden Reiche Ober- und Unterägyptens und ein künstlicher Bart. Mitten zwischen den 20 m hohen Sitz?guren prangt über dem Eingang, fast wie zur Erinnerung, eine Reliefstatue des eigentlichen Sonnengottes Re-Harachte, und ganz oben beten Paviane die aufgehende Sonne an. Ein Erdbeben hat einen der Kolosse um Rumpf und Kopf gebracht; sie liegen nun zu seinen Füßen. An den Beinen der beiden Kolosse links sieht man Kritzeleien phönizischer und griechischer Söldner. Im Innern des Felsentempels ?ndet man die traditionelle Säulenhalle mit weiteren Ramses?guren zwischen Reliefs und Wandbildern, die ihn im Kampf zeigen.
Dass Ramses II. für seine Gattin in der Nähe den Tempel der Nefertari in den Felsen hauen ließ, zeugt vom enormen Respekt, den er ihr zollte. Hier wird auch sie zur Göttin erhoben, ihre Kolossalstatuen (allerdings nur zwei) stehen den vier des Pharaos an Größe in nichts nach. Im Innern erkennt man an den Kuhköpfen auf den Pfeilern der Säulenhalle, dass das Heiligtum der Göttin Hathor geweiht war. Auf den hübschen Reliefs huldigt Ramses der Königin und zieht mit ihr gar in die Schlacht.
Kairo
Al-Kahira - die Starke - , so heißt Ägyptens Hauptstadt auf Arabisch. Mit über 8 Millionen Einwohnern ist Kairo die größte Stadt Afrikas und des Nahen Ostens. Im Großraum leben mehr als 20 Millionen Menschen, was mehr als einen Viertel der gesamten Bevölkerung Ägyptens ausmacht. Gegründet wurde Kairo an der Stelle, wo sich das Niltal zu einem flachen, fruchtbaren Delta weitet. Mittelpunkt der Stadt ist der lärmige und verkehrsreiche Tahrir-Platz.
Das Ägyptische Museumnördlich des Platzes ist riesig, chaotisch, aber großartig. Es wurde Mitte des 19. Jh. für die Funde erbaut, die nach Napoleons Ägypten-Feldzug zutage kamen. Bei einem einzigen Besuch können Sie nicht alles sehen; ein Muss ist aber der Schatz des Tutenchamun. Der mit 19 Jahren verstorbene Pharao war als Herrscher zwar unbedeutend, wurde aber wegen Vielfalt und Schönheit seiner Grabbeigaben (etwa die berühmte Goldmaske), die den Grabräubern entgingen, zu einer Art Kultfigur. Seine Gruft wurde erst 1922 vom britischen Archäologen Howard Carter entdeckt. Ein neues Großes Ägyptisches Museum ist in der Nähe von Giseh im Bau. Es soll 2013 eröffnet werden.
Das Koptische Museumin Alt-Kairo befasst sich mit den ägyptischen Christen, etwa 10 % der Bevölkerung, die ihre Religion auf den Evangelisten Markus zurückführen, der um 40 n. Chr. in Alexandria gepredigt haben soll. Zu sehen sind Kunstwerke und Fundstücke aus der reichen Geschichte der Kopten. Das Museum für Islamische Kunstam Ahmed-Maher-Platz stellt Gebetsteppiche, Einlegearbeiten, Glas, Moscheeleuchten, Waffen und Handschriften aus.
Wenden Sie sich nun dem islamischen Kairo zu. Sein Wahrzeichen ist ein mittelalterliches Tor mit wuchtigen Rundsäulen, Bab Zuweila. Die nahe El-Azhar-Moschee und -Universität ist seit 1000 Jahren die angesehenste Bildungseinrichtung des Islam; der Gebäudekomplex mit seinen sechs Toren und fünf Minaretten zählt heute in mehreren Fakultäten um die 400000 Studenten aus aller Welt.
Gegenüber erstreckt sich Kairos berühmter Basar Khan el-Khalili. Hier ist Feilschen und Handeln angesagt! Die Kalaun-Moscheewurde 1293 vollendet; die Fassade zieren Säulen mit korinthischen Kapitellen. Zwischen der prächtigen Sultan-Hassan-Moschee (1362) und der Rifai-Moschee (1912) nähern Sie sich der Zitadelle, deren BauSultan Saladin 1176 befohlen hat.
Die eindrucksvolle Mohammed-Ali-Moschee in der Zitadelle, in türkischem Stil unter üppiger Verwendung von weißem und honigfarbenem Stein errichtet, wird auch »Alabaster-Moschee« genannt. Herrlich ist von hier aus der Blick auf Kairo, den Nil und die Pyramiden.
Innerhalb der Mauern von Alt-Kairo steht unter anderem die älteste christliche Kirche des Landes, El-Moallakah; schon im 4. Jh. soll es an dieser Stelle eine Andachtsstätte gegeben haben. Die Abu-Serga-Kirche bezeichnet angeblich den Ort, wo sich die Heilige Familie bei der Flucht nach Ägypten versteckte.
Pyramiden von Giseh
Von den Sieben Weltwundern des Altertums haben nur die Pyramiden von Giseh die Zeiten überdauert. Sie ragen zwischen dem südwestlichen Stadtrand Kairos und der Wüste auf.
Die von Weitem so vollendet wirkenden geometrischen Formen geben erst aus der Nähe die Geheimnisse ihrer Konstruktion preis. Jede Pyramide besteht aus Millionen massiver, behauener Steinblöcke, die stufenförmig aufeinander getürmt sind. Da die Bauwerke weder Fenster noch Türen haben, fehlt einem jeder Größenmaßstab, bis man dicht vor ihnen steht.
Die 139 m hohe Cheops-Pyramide ist die größte der drei. Nur ausdauernde Naturen ohne Angst vor engen, dunklen Gängen sollten dem Führer in die Grabkammer folgen, wo sie ein leerer Sarkophag erwartet.
Die Chephren-Pyramideist eigentlich etwas niedriger als jene des Cheops, wirkt jedoch größer, weil sie auf einem höher gelegenen Plateau steht. Ganz oben sieht man Reste der ursprünglichen glatten Verkleidung fast aller Pyramiden.
Die dritte, kleinste und jüngste der drei Pyramiden von Giseh ist die 62 m hohe Mykerinos-Pyramide. Die imposanten Bauwerke sind von Tempeln und mastabas (Grabmälern) umgeben, wo die Verwandten, Freunde und Diener der Pharaonen beigesetzt wurden. Sämtliche Anlagen entstanden um 2600 v. Chr., während der 4. Dynastie des Alten Reichs. Zahlreiche Pyramiden säumen den Nil, aber die von Giseh sind die schönsten und bekanntesten.
Die geheimnisvolle Sphinxwurde zum Schutz von Chephrens Grabmal gebaut und trägt die Züge des Pharaos. Ein Jahrtausend nach ihrer Entstehung war sie völlig vom Flugsand verschüttet. Thutmosis IV. ließ sie dann im 15. Jh. ausgraben und instand setzen, wie die Inschrift auf einer Stele zwischen ihren Pranken besagt. Rund 3000 Jahre später fielen Nase und Bart der Sphinx den Schießübungen der Mamelucken zum Opfer.
Mittelmeerküste
Beliebt sind die hübschen Badeorte entlang der 500 km langen Küste bis zur libyschen Grenze vor allem bei den Ägyptern; ausländische Touristen besuchen dagegen lieber die Kulturmetropole Alexandria.
Alexandria
Die 332 v. Chr. von Alexander dem Großen gegründete Stadt entwickelte sich schnell zu einem Mittelpunkt von Wissenschaft und Gelehrsamkeit. Der gut 120 m hohe Leuchtturm auf der Insel Pharos galt als eines der Sieben Weltwunder der Antike; in den letzten Jahren wurden Teile davon am Hafen aus dem Meer geborgen, darunter Statuen und Steinplatten mit Hieroglyphen. Mit der Besetzung durch die Muslime im Jahr 641 begann der Verfall der Stadt, und Alexandria gelangte erst wieder zu Bedeutung, als Mohammed Ali 1819 es als Kriegshafen und Sommerresidenz erkor und hier eine kosmopolitische Kolonie von wohlhabenden Händlern entstand.
Heute ist Ägyptens zweitgrößte Stadt (etwa 4,5 Millionen Einwohner) der Haupthafen des Landes. Von der hehren Vergangenheit ist wenig zu sehen; vielmehr locken herrliche Strände, angenehmes Klima und eine lebhafte Atmosphäre zahlreiche arabische Nachbarn an.
Von Alexandrias Größe und Pracht in antiker Zeit zeugt das Griechisch-Römische Museum mit über 40000 Skulpturen, Münzen und Mumien. (Wegen Renovierung für mehrere Jahre geschlossen.) Die gut 26 m hohe Pompejus-Säuleaus rosarotem Assuan-Granit war einst Teil des Serapis-Tempels und wurde um 300 n. Chr. zu Ehren Kaiser Diokletians erstellt. Mit dem römischen Feldherrn Pompejus hat sie aber nichts zu tun.
Die Katakomben Kom esh-Shukafa - von ihrer Anlage auf drei Ebenen und ihrer Ausstattung her einzigartig - waren die hauptsächliche Begräbnisstätte in Alexandria und wurden wahrscheinlich im 2. Jh. n. Chr. angelegt; die Toten ließ man durch einen Schacht darin hinab.
Mit dem Monumentalbau der Bibliotheca Alexandrinawill die Stadt an die berühmte, 288 v. Chr. gegründete antike Bibliothek, die einst renommierteste Bildungsstätte der Welt, anknüpfen. Auf elf Stockwerken sind nebst Büchern ein Planetarium, zwei Museen und eine Kunstgalerie untergebracht.
Das 2003 eingeweihte Nationalmuseum Alexandria zeigt Relikte der Pharaonenzeit sowie solche aus der griechisch-römischen, der koptischen, der muslimischen und der heutigen Kultur und dazu auch Mumien.
Am östlichen Stadtrand liegt der von ausgedehnten Gärten umgebene Montazah-Palast. Diese ehemalige Sommerresidenz der ägyptischen Könige von Ende des 19. Jh. ist eine extravagante Kombination italienischer Gotik und osmanischen Stils. Herrliche Ausblicke aufs Mittelmeer bietet die Corniche, die vom Montazah-Palast am Ufer entlang bis zum Fort Kait Bey am Osthafen verläuft.
Am Sueskanal
Port Said liegt auf einer Nehrung zwischen dem Mittelmeer und dem Mansala-See am Nordende des Sueskanals und ist fast ganz von Wasser umgeben. Die heute über 600000 Einwohner zählende Hafenstadt verdankt ihre Entstehung den Arbeiten zum Bau des Kanals. Auf dem Markt mit zollfreien elektronischen Waren aus Japan und Korea herrschen alle Gepflogenheiten eines orientalischen Basars. Das Stadtmuseum zeigt eine bemerkenswerte Sammlung pharaonischer, griechisch-römischer, koptischer und islamischer Kunst.
Ismailia befindet sich auf etwa halber Strecke des Kanals am Ufer des Timsah-Sees im Grünen. Die Kiefern, Eukalyptusbäume und Pappeln wurden vor über hundert Jahren bei der Gründung der Stadt gepflanzt.
Stolze Wacht über das Südende des Wasserwegs hält das von den warmen Fluten seines Golfs umspülte Sues, das einem der bekanntesten Kanäle der Welt seinen Namen lieh. Von den Bombenangriffen in den arabisch-israelischen Kriegen hat sich die Stadt erholt: grüne Parkanlagen und schöne Strände säumen die Bucht.
In Port Taufik(Port Tawfiq) kann man den Frachtern bei der Ein- und Ausfahrt zuschauen. Vom Denkmal mit der Statue des Kanalbauers Ferdinand de Lesseps ist seit der englisch-französischen Invasion 1956 nur noch der Sockel zu sehen?
Seine Lage unweit von Kairo, nur 55 km südlich von Sues, macht den Badeort Ain Sukhna zum beliebten Ausflugsziel der Hauptstädter. Er bietet feine Sandstrände und moderne Einrichtungen für Wassersport und Tauchexpeditionen zum Korallenriff. Ain Sukhna, übersetzt »Heiße Quelle«, wurde nach der Schwefelquelle im Ataka-Gebirge weiter nordwestlich benannt.
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